Von Maya Zehden moderierter Vortrag des Journalisten Gunnar Schupelius, der am 31. März 2026 bei der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg zu Gast war.
Der Kommentator und Kolumnist bei Axel Springer Gunnar Schupelius ist von Haus aus Historiker und ein ausgewiesener und langjähriger Beobachter des deutsch-israelischen Verhältnisses. In seiner täglichen Kolumne »Mein Ärger« kommentiert er seit zwanzig Jahren unter anderem den wachsenden Antisemitismus von rechts, links und aus Teilen der muslimischen Community in Berlin und Deutschland. Als einer der ersten Kommentatoren machte er auf die Gefahr durch den jährlichen Al-Quds-Marsch aufmerksam, einer vom iranischen Regime ins Leben gerufenen Demonstration zur Vernichtung Israels.
In seinem Vortrag bei der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg zieht Schupelius eine Bilanz der Berliner Politik parallel zu seiner Vita. Mit zwanzig war der geborene Berliner im Jahr 1983 in die Alternative Liste für Demokratie und Umweltschutz eingetreten, die dann zu Bündnis 90/Die Grünen wurde. Seine Vorstellung, hier mit toleranten und freiheitsliebenden Menschen zusammenzukommen, wurde enttäuscht. Er traf auf radikale K-Gruppen wie Maoisten und Bolschewisten sowie auf Sympathisanten der Terrorgruppe Tupamaros und der RAF. 1989 beim Fall der Mauer wurde deutlich, dass die Partei die Wiedervereinigung nicht begrüßen wollte. Das war der Moment, als Schupelius austrat.
Neben anderen Entwicklungen, die aus seiner Sicht die freiheitlich-demokratischen Werte gefährden, beschreibt er, wie sich mit der wachsenden Unterstützung durch die Linkspartei, die Grünen und die SPD, aber auch durch die einseitige Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien, die Vorurteile gegenüber Israel in Berlin immer stärker verfestigen. Dazu komme die an Selbstaufgabe grenzende Toleranz gegenüber Islamisten, ein sinkendes Bildungsniveau an den Schulen und eine gefährliche Entwicklung an den Universitäten. Dort wird seit einigen Jahren und unter Bezug auf postkoloniale Theorien die Diffamierung gelehrt, Israel sei ein Kolonialstaat. Damit wird nicht nur Hass auf den jüdischen Staat, sondern auch auf Juden gefördert.
Schupelius‘ pessimistischer Blick wird vom Publikum geteilt, wie sich in der anschließenden Diskussion mit dem Referenten zeigt. Einige seiner Kommentare sind in seinem 2025 veröffentlichten Buch Der gerechte Zorn. Eine kritische Liebeserklärung an Berlin erschienen.






