Rund 150 Vermummte mit den Flaggen von Terrororganisationen, die eine Synagoge stürmen wollen und die Bewohner eines jüdisch-orthodoxen Viertels terrorisieren – das ist das New York unter Bürgermeister Zohran Mamdani.
Man hatte es kommen sehen. Nur dreizehn Tage nach den Massakern, Vergewaltigungen und Entführungen vom 7. Oktober 2023 war Zohran Mamdani Redner auf einer Anti-Israel-Demonstration in New York gewesen. Am 14. Oktober war er festgenommen worden, als er an einer anderen Demonstration vor dem Haus des demokratischen Mehrheitsführers im US-Senat, Chuck Schumer, teilgenommen hatte.
Als Bürgermeister ist Mamdanis Fähigkeit, Israel zu schaden, eher begrenzt und weitgehend symbolisch (etwa, als er ankündigte, New York werde keine israelischen Staatsanleihen mehr kaufen). Von Anfang an bestand die Sorge, welche Folgen es für das Zusammenleben in der Stadt – insbesondere für die Sicherheit der Juden – haben würde, wenn jemand an der Spitze steht, der mit Begriffen wie »Apartheid« und »Genozid« Hass auf den jüdischen Staat schürt oder es für akzeptabel hält, zu einer »Intifada« aufzurufen, wohl wissend, dass die letzte »Intifada« das Leben von tausend Israelis kostete.
Es sind die jüdischen Gemeinden vor Ort, auch in New York City, an denen »anti-israelische Stimmungen ausgelassen« werden, warnte das American Jewish Committee (AJC) im Dezember: »Diese Gewalt beginnt mit der Normalisierung hasserfüllter Rhetorik. Wenn Israel dämonisiert wird – sei es durch die empörende Behauptung eines ›Völkermords‹ oder durch Äußerungen wie ›Globalize the Intifada‹, die lediglich einen dünnen Schleier über Aufrufe zur Gewalt bilden –, dann bleiben Worte nicht abstrakt; sie laden zur Gewalt ein.« Indem Mamdani es ablehne, »diese hasserfüllte Rhetorik zu verurteilen«, habe er ihr »den Einzug in den politischen Diskurs unserer Stadt ermöglicht – und damit auch ein wachsendes Gefühl der Bedrohung für die jüdische Gemeinschaft New Yorks«.
Die Warnung war nicht aus der Luft gegriffen; wenige Tage zuvor hatte es eine Demonstration vor einer Synagoge gegeben. Sie war das Ziel des Protests gewesen, weil dort eine Informationsveranstaltung für New Yorker Juden stattgefunden hatte, die erwägen Alija zu machen, also nach Israel auszuwandern. In den Augen der Demonstranten stellte sich das als geplanter »Landraub« dar. »Wir müssen ihnen Angst einjagen«, forderte ein Protestführer laut Zeitungsberichten die Menge auf. »Es ist unsere Pflicht, sie zum Nachdenken zu bringen, bevor sie solche Veranstaltungen abhalten.« Mamdani schlug sich auf die Seite der Demonstranten und gab den belagerten Juden die Schuld.
Mamdanis Veto
Das krude Weltbild derer, die vor einer Synagoge demonstrieren, ähnelt dem der Täter aus dem deutschen RAF-Umfeld, die im Dezember 1991 in Budapest einen Bombenanschlag auf einen mit 29 jüdischen Auswanderern aus der Sowjetunion und zwei Begleitpersonen besetzten Bus verübten. Weil die 25-Kilo-Autobombe zu früh zündete, wurden lediglich sechs Menschen verletzt, davon vier Businsassen und zwei Polizisten. So viele Juden in dem Bus wie möglich zu töten, war das Ziel gewesen.
Solchen Terrorismus gibt es derzeit in New York nicht. Noch sind es Drohungen. Die Taktik besteht im »Angst einjagen«. Die Aktion von November letzten Jahres war, wie mittlerweile klar wird, der Auftakt zu einer Serie von Einschüchterungsaktionen vor jüdischen Gotteshäusern und in jüdischen Wohnvierteln. Von »Synagogenprotesten« spricht das linksliberale jüdische Magazin The Forward:
»Am Montagabend zogen pro-palästinensische Demonstranten durch das stark orthodox geprägte Viertel Midwood in Brooklyn. Dabei skandierten sie Parolen – darunter auch Rufe nach einer ›Intifada-Revolution‹ – während einer Kundgebung vor einer Synagoge, in der eine Veranstaltung zur Vermarktung von Immobilien in Israel und in Siedlungen im Westjordanland stattfand. Der Protest zog zudem eine Menge proisraelischer Gegendemonstranten an – viele von ihnen Jugendliche –, woraufhin die Polizei eingriff, um die beiden Gruppen voneinander getrennt zu halten. Das NYPD meldete vier Festnahmen, darunter die zweier jüdischer Jugendlicher.«
Auf einem Transparent, das die zum Teil vermummten Demonstranten vor sich hertrugen, übernahm eine Gruppe namens »Palestinian Assembly for Liberation in Al-Awda« die Verantwortung für die Proteste. Auf Handy-Videos ist zu sehen, wie sie skandierend durch ein stark jüdisch-orthodox geprägtes Viertel von Brooklyn marschieren und dabei Parolen rufen. »Der Zionismus wird fallen«, skandierten die Demonstranten unter anderem. Andere hielten Schilder mit Aufschriften wie »Israel abschaffen« und »Kein Frieden auf gestohlenem Land«.
Es blieb nicht bei Worten: Eine Demonstrantin griff ein jüdisches Mädchen an, das versuchte, an dem Protestzug vorbei nach Hause zu gelangen. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie die Frau – mit einer FFP-2-Maske und einem roten Kufiya-Schal um die Schultern – das Mädchen von hinten attackiert, es an den Haaren packt und es ruckartig nach hinten zieht. Als eine Gruppe Jugendlicher in der Nähe gegen den Angriff protestierte, stellte sich ihnen eine Menge vermummter Demonstranten entgegen. Sie bauten sich bedrohlich vor den Jugendlichen auf, »offenbar um eine Reaktion zu provozieren und weitere Gewalt anzudrohen«, wie das jüdische Magazin Algemeiner berichtete. Es seien mindestens drei Demonstranten festgenommen worden, nachdem sie Gegendemonstranten angegriffen hätten.
Zudem trugen einige der anti-israelischen Demonstranten Flaggen und Transparente, die ihre Unterstützung für die Hamas und die Hisbollah zum Ausdruck brachten – beides vom US-Außenministerium als ausländische terroristische Organisationen eingestufte Gruppen. Die Zeitung Daily Mail berichtete, dass einer der Demonstranten versucht habe, einen Jungen mit einem Laserpointer zu blenden.
Proisraelische Gegendemonstranten reagierten mit Sprechchören, in denen sie die israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) hochleben ließen. Ein Teilnehmer der Gegenproteste wurde festgenommen, weil er Eier auf die Demonstranten geworfen haben soll.
In einem anderen Video ist zu sehen, wie männliche Teilnehmer der »Synagogenproteste« sich vor einer Synagoge zu einem islamischen Gebet versammeln, während eine Frau »Allahu Akbar« brüllt. Ein anderes zeigt, wie Vermummte versuchen, Sperrzäune zu überwinden, die die Polizei zum Schutz der Park East Synagogue platziert hat. Es gab Pläne, solche Schutzzonen um jüdische Schulen und Kindergärten zu errichten, wo dann nicht hätte demonstriert werden dürfen. Bürgermeister Mamdani verhinderte sie im April mit seinem Veto.
In New York kulminierten diesen Monat zwei Trends. Der eine ist, dass die Israelfeinde »zionistische Synagogen« zu Zielen erklären. Dazu aufgerufen hatte Zahra Billoo, Direktorin des Council on American-Islamic Relations San Francisco Bay Area (CAIR-SFBA) und früher im Vorstand des Women’s March on Washington, im November 2021: »Wenn wir über Islamophobie sprechen, denken wir oft an die vehementen Faschisten … aber ich möchte auch, dass wir auf die höflichen Zionisten achten, die sagen: Lasst uns einfach zusammen Brot brechen.«
Der andere Trend ist, Angst und Schrecken in jüdisch geprägten Wohnvierteln zu säen. Wie bei den wiederkehrenden antisemitisch motivierten Sachbeschädigungen in Melbourne oder Sydney. Oder bei dem Palästina-Flaggen-Autokorso in London, im Mai 2021, bei dem über den Lautsprecher sexualisierte Aufrufe zur »Vergewaltigung jüdischer Mütter und Töchter« gebrüllt wurden – womit die Taten des 7. Oktobers verbal vorweggenommen wurden.
Mamdani »würdigt« Juden, aber schützt sie nicht
Was tut der Bürgermeister angesichts dessen? Anfang Mai besuchte Mamdani öffentlichkeitswirksam das Jewish Children’s Museum in Crown Heights. Und er veröffentlichte eine Würdigung für Devorah Halberstam – die Mutter des jüdischen Jungen Ari Halberstam, der 1994 bei einem antisemitischen Anschlag auf die Brooklyn Bridge ermordet wurde. Eine Frau, die die seither vergangenen Jahrzehnte damit verbracht hat, für die Sicherheit jüdischer New Yorker zu kämpfen. »In diesem Monat des jüdisch-amerikanischen Erbes«, schrieb Mamdani, »würdigen wir die reiche Kultur und Geschichte, die jüdische New Yorker tagtäglich in unsere Stadt einbringen.«
Nur wenige Tage später, am 5. Mai, musste ein Kindergarten an der Park East Synagoge aufgrund von Sicherheitsbedenken vorzeitig schließen. Eltern, die ihre Kinder brachten, mussten vorbei an dem vermummten Hamas-Mob, der »Intifada Revolution« brüllte. Eben weil Mamdani rund eine Woche zuvor, am 24. April, sein Veto gegen den Gesetzentwurf Int. 175-B des Stadtrats eingelegt hatte – einen Entwurf, der jüdischen Schulen genau jene Art von Schutz gewährt hätte, die Halberstam ihr ganzes Leben lang gefordert hat. »Die Juden haben dafür ein Wort«, kommentierte Adela Cojab Moadeb auf dem Blog Washington Examiner, »Chuzpe«.
»Wieviel Hass und Gewalt sind wir bereit, in dieser Stadt zu dulden?«, fragt Yael Bar Tur auf dem Blog City Journal. »Wenn eine Gruppe weißer Männer Polizisten vor einer Latino-Kirche angreifen und dabei ›Geht zurück nach Mexiko!‹ schreien würde, während sie Klan-Flaggen schwenkt – würden wir dann behaupten, sie protestierten lediglich gegen eine lasche Grenzpolitik? Nein: Wir würden ihnen sagen, sie sollen sich zum Teufel aus unserer Stadt scheren.«






