Antisemitismus in Europa radikalisiert sich

„In den vergangenen Jahren vollzog sich laut Autoren ‚eine deutlich beobachtbare Radikalisierung des Antisemitismus in Europa, die mit den islamistisch motivierten Terroranschlägen von Paris, Toulouse, Brüssel und Kopenhagen auch mörderische Konsequenzen hatte‘. Indikator für eine neue Qualität und Virulenz des Antisemitismus seien neben der islamistischen Variante die Zunahme solcher Einstellungen in politisch und sozial arrivierten Kreisen und Milieus. Zugleich sei die Hemmschwelle für die Äußerung und Akzeptanz antisemitischer Ressentiments gesunken, sofern sie als ‚Israelkritik‘ camoufliert werde. Parallel dazu bewies der Antisemitismus sein Potenzial zur Mobilisierung der Straße, etwa bei ‚Mahnwachen für den Frieden‘ und während des Gaza-Krieges 2014. (…) Antisemitische Erzählungen werden meist mit realen Begebenheiten angereichert, um ihnen Glaubwürdigkeit zu verschaffen. So müssen Nahostkonflikt oder die Existenz von bedeutenden Bankiers jüdischen Glaubens für Theorien vom allmächtigen, eingeschworenen jüdischen Volk handeln, das wahlweise gegen das eigene Volk, die Traditionen, den eigenen Glauben (Rechtsextreme) oder intakte soziale Gefüge und Schwächere (Linksextreme) vorgeht. (…)

Linke erklären die Palästinenser zu den Schwachen und Unterdrückten, um gegen Israel – den einzigen demokratischen Staat in der Region – vorzugehen. Ihr Judenhass vereint sich dabei mit dem islamischen Judenhass. Manche linke Organisationen gehen sogar so weit, dass ‚Kauft-nicht-bei-Juden‘-Postulat aus der Nazizeit ‚israelkritisch‘ verbrämt aufzugreifen; die so genannte BDS-Kampagne etwa ruft zum Boykott von Waren aus Israel auf, offiziell wegen Israels Siedlungspolitik. Als ‚eindeutig antisemitisch‘, bezeichnet Politikwissenschaftler Marc Grimm diese Kampagne. (…) Linker Antisemitismus will oft als solcher nicht erkannt werden, deswegen nennt er sich ‚Israelkritik‘. Aber: Für den jüdischen Staat existiert eine eigene Kategorie, sie wird nur auf ihn angewandt. Israel wird besonders scharf angegangen, ‚während andere Konflikte ausgeblendet werden‘, wie Grimm sagt. Nur Israels Handeln führt zu hitzigen Protesten; Kriege im Kongo, Jemen, der Ukraine oder anderen Weltteilen interessieren Antisemiten kaum – weil kein Jude beteiligt ist. Diese ‚doppelten Standards‘ belegen Judenfeindlichkeit.“ (Ansgar Mönter: „Bielefelder Forscher analysieren den steigenden Judenhass von heute“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login