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Antisemitische Vorfälle im amerikanischen Schulwesen

Elise Stefanik: US-Arbeits- und Bildungsausschuss beschäftigt sich mit Antisemitismus im Bildungswesen
Elise Stefanik: US-Arbeits- und Bildungsausschuss beschäftigt sich mit Antisemitismus im Bildungswesen (© Imago Images / ABACAPRESS)

Der Antisemitismus durchdringt seit dem Überfall der Hamas auf Israel das gesamte amerikanische Schul- und Hochschulwesen. Mittlerweile beschäftigt sich im Repräsentantenhaus der Arbeits- und Bildungsausschuss mit den antisemitischen Vorfällen an verschiedenen Schulen des Landes.

Es erinnert an die 1930er Jahre in Deutschland: Im Jahrbuch 2024 der East Brunswick High School in New Jersey wurden die Namen und Fotos jüdischer Schüler nicht angeführt – offenbar mit Absicht. Der Bürgermeister der Gemeinde sprach von einem »unverhohlen antisemitischen Akt«. Mehrere Seiten des Jahrbuchs mit dem Titel The Emerald (Der Smaragd) sind den Schülervereinigungen mit Namen und Fotos der jeweiligen Mitglieder gewidmet. Doch auf Seite 236, wo die Namen der Mitglieder der Jewish Student Union hätten stehen sollen, ist eine Leerstelle: Anstelle des Gruppenbilds des Vereins ist eines mit muslimischen Schülern abgebildet, berichtet die New York Post.

Ein Mitglied der Jüdischen Studentenvereinigung, das nicht namentlich genannt werden wollte, erzählte gegenüber der Zeitung, sie und ihre Mitschüler seien zunächst überglücklich gewesen, als sie ihre Jahrbücher erhielten – um dann festzustellen, dass sie weder mit Bild noch mit Text erwähnt wurden. »Wir waren schockiert und beunruhigt, als wir auf unsere Seite blätterten und sahen, was passiert war«, sagte sie. »Es war enttäuschend, und es fühlte sich an, als ob man uns unsere Identität wegnehmen wollte.« Die Schülerin verstehe nicht, warum jemand etwas gegen den Verein habe, der rund fünfzig Mitglieder zählt und jüdischen Schülern einen sicheren Ort bietet, an dem sie sich treffen und gemeinsam die Feiertage feiern können, so die Zeitung weiter.

Reaktionen

»Hass hat keinen Platz in East Brunswick und Antisemitismus wird nicht toleriert«, schrieb Bürgermeister Brad Cohen auf Facebook. »Wir haben viele Fragen, unter anderem, ob die Tat ein Hassverbrechen darstellt. Wer zeichnet für diese Seite verantwortlich? Ist diese Tat aufseiten des Verlags geschehen? Wie werden die Täter zur Rechenschaft gezogen?« Er werde die Ergebnisse der Untersuchung durch die Schulverwaltung abwarten und sie auffordern, dies zügig zu tun. Cohen wurde die Veröffentlichung der Ergebnisse, sobald die Untersuchung abgeschlossen sei, zugesichert worden. Auch würden neue Jahrbücher bestellt, diesmal mit den richtigen Bildern und Namen.

Schulrat Victor Valeski sagte in einer Mitteilung an die Gemeinde, er sei »am Boden zerstört und frustriert«. »Vor allem entschuldige ich mich persönlich, zusammen mit dem gesamten East Brunswick Board of Education, aufrichtig für die Verletzung, den Schmerz und die Angst, die dieses Ereignis unseren jüdischen Schülern und ihren Familien zugefügt hat, sowie für die Auswirkungen, die dies weiterhin auf die gesamte Community von East Brunswick hat.«

Laut Valeski hat sich der Bezirk mit mehreren Fachleuten in Verbindung gesetzt, darunter dem Anwalt des Bildungsausschusses, dem Bürgerrechtsverein American Civil Liberties Union (ACLU), dem Verlag, der das Jahrbuch gedruckt hat und dem leitenden Bezirksverwalter. Das Büro des Verwalters wurde zum Ansprechpartner für die Untersuchung bestimmt. Die Jahrbücher werden nicht an weitere Schüler verteilt, und jene, die bereits an die Schüler der Abschlussklasse ausgegeben wurden, eingesammelt. Valeski sagte, der Bezirk werde sich mit dem Verlag abstimmen, um die Seiten des Jahrbuchs neu zu drucken und professionell zu ersetzen.

Antisemitismus an vielen Schulen

Auch an einigen anderen Schulen der USA sind in diesem Frühjahr Jahrbücher mit Beiträgen erschienen, die sich gegen Juden und den Staat Israel richten. Im Jahrbuch einer High School im vornehmen Ort Palos Verdes in Kalifornien wurde ein Beitrag gedruckt, der sich unter dem Titel Wem gehört das Land eigentlich? auf einseitige Art mit dem israelisch-arabischen Konflikt beschäftigt. Darin heißt es, die »Saat Israels« sei »in den 1910er Jahren gesät« worden, durch eine »britische Fehlkalkulation« zur Lösung des »jüdischen Problems«. Die Gründung des Staates Israel 1948 wird als der »Sündenfall« bezeichnet, welcher der »Gründung der Hamas den Weg geebnet« habe. 

Im Jahrbuch der Highschool Glenbrook South in Illinois lobt eine Schülerin das Pogrom vom 7. Oktober 2023: »Am ersten Tag wachte ich auf und sah, was Palästina getan hat, und ich war glücklich, weil sie sich endlich selbst verteidigen.«

Beamte des Bezirks haben in einem Brief an Schüler und Familien ihr »tiefes Bedauern« über den Text ausgedrückt. Der Bezirk räumte ein, dass er eine »enorme Anzahl von Anfragen und Rückmeldungen« zu diesem Thema erhalten habe. »Die Aussagen in dem Artikel geben in keiner Weise die Ansichten von Glenbrook South oder Distrikt 225 wieder«, heißt es in dem Brief. »Wir sind uns der Gefühle, Ängste und des Schmerzes bewusst, die mit dem Inhalt des Jahrbuchs verbunden sind, und wir möchten Ihnen versichern, dass wir mit vielen Schülern, Familien, Mitarbeitern und Gemeindemitgliedern über diese Situation im Gespräch sind.«

Im Jahrbuch der von dreitausend Schülern besuchten Bellaire High School in Houston gibt es unter der Überschrift Times of Palestine zwei Seiten, in denen aus einem Interview mit einer palästinensischen Schülerin der Schule zitiert wird, die über den aktuellen Konflikt zwischen Israel und der Hamas spricht – ohne aber die Rolle der Hamas und die Massaker vom 7. Oktober zu erwähnen. Der 7. Oktober 2023 kommt lediglich vor als der Tag, »an dem der Krieg ausbrach«. 

In den letzten drei Sätzen des Beitrags wird dann auf die Taten der Hamas am 7. Oktober sehr vage Bezug genommen, um diese gleichzeitig als irgendwie unvermeidlich darzustellen und sich mit den Tätern in einem ›wir‹ zu solidarisieren: »Wäre es für Palästina anders ausgegangen, hätte es den 7. Oktober nicht gegeben? Jeder möchte die Vergangenheit ändern; aber was passiert ist, ist passiert. Wir mussten voranschreiten, egal, was die Konsequenzen sein würden.«

Eine komplementäre Anti-Hamas-Perspektive auf den Konflikt gibt es in dem Jahrbuch nicht. Schulleiter Michael Niggli kündigte an, Bellaire werde seine »Überprüfungsprotokolle für Schülerpublikationen für das Schuljahr 2024/25 erweitern«. Es werde zudem überarbeitete Jahrbücher geben, die die fragliche Seite nicht enthalten, diese würden »jedem Schüler zur Verfügung gestellt, der sie haben möchte«.

Mob jagt jüdischen Lehrer

Letzten November musste ein jüdischer Lehrer der Hillcrest High School im New Yorker Stadtteil Queens zu seiner eigenen Sicherheit in einem Büro eingeschlossen werden, als ein Mob von Schülern ihn verfolgte, weil die Schüler erfahren hatten, dass der Lehrer an einer Solidaritätsveranstaltung für die Opfer des 7. Oktober teilgenommen hatte.

Das Büro für Bürgerrechte des US-Bildungsministeriums (Office for Civil Rights, OCR) gab unterdessen bekannt, dass es eine förmliche Untersuchung einer Beschwerde eingeleitet hat, wonach der Berkeley Unified School District (BUSD) in Kalifornien es versäumt hatte, gegen das ununterbrochene »schwere und anhaltende« Mobbing und die Belästigung jüdischer Schüler in Klassenzimmern, Fluren, auf Schulhöfen und bei Schulausgängen seit dem 7. Oktober 2023 vorzugehen.

In Montgomery, Maryland, haben Margery Smelkinson, Mutter eines örtlichen Schülers, und Lisa R. Miller, eine jüdische Lehrerin im selben Bezirk, offiziell Beschwerde eingereicht, weil die Verwaltung eine Schülerdemonstration mit antisemitischen Gesängen geduldet habe. Einige Lehrer hätten behauptet, die Massaker des 7. Oktober seien »erfunden« und jüdische Schüler von ihren Mitschülern mit Holocaust-Leugnung und Kommentaren wie »Hitler hätte mehr Juden töten sollen« konfrontiert worden seien. 

Kongressausschuss untersucht Vorfälle

Vergangene Woche hielt die Lehrervereinigung von Portland, Oregon, Presseberichten zufolge eine Sitzung ab, bei der die Mitglieder dazu angehalten wurden, in ihren Klassenzimmern palästinensische Flaggen zu hissen. Die Gewerkschaftsmitglieder wurden aufgefordert, T-Shirts mit der Aufschrift »Vom Fluss bis zum Meer, Palästina wird frei sein« zu tragen, um so ihre Ablehnung der Existenz Israels zum Ausdruck zu bringen. Das Magazin National Reviewberichtet auf seiner Website: »Das Treffen fand statt, nachdem die Gewerkschaft vor Kurzem einen Leitfaden veröffentlicht hatte, in dem Lehrern erklärt wird, wie sie sich in pro-palästinensischen Organisationen engagieren können und ihren Unterricht für Kinder ab dem Vorschulalter mit israelfeindlichen Botschaften füllen können.«

Der 32-seitige Leitfaden mit dem Titel Know Your Rights! Teaching & Organizing for Palestine within Portland Public Schools (Unterrichten und Organisieren für Palästina an öffentlichen Schulen in Portland) wurde von den Oregon Educators for Palestine in Zusammenarbeit mit der Lehrergewerkschaft veröffentlicht. Es bietet Lehrkräften, die »über den Völkermord in Palästina unterrichten«, rechtliche Hinweise und Ratschläge, wie sie den Konflikt im Unterricht behandeln könnten. An einer Stelle wird empfohlen, den Schülern beizubringen, dass »der palästinensische Widerstand ein politischer Kampf um Selbstbestimmung gegen die Kolonial- und Apartheidherrschaft ist«.

Im Repräsentantenhaus beschäftigt sich derzeit der Arbeits- und Bildungsausschuss unter Leitung der Republikanerin Elise Stefanik mit den antisemitischen Vorfällen an verschiedenen Schulen des Landes. Stefanik tadelte David Banks, den Kanzler der öffentlichen Schulen von New York City, nachdem sie erfahren hatte, dass der Schulleiter der oben erwähnten Schule in Queens nach der antisemitischen Mobbildung diszipliniert, aber nicht entlassen wurde.

»Das ist besorgniserregend für mich, dass Sie ihn in einer leitenden Position haben, und was sehr besorgniserregend an diesen Anhörungen ist, ist, dass wir Lippenbekenntnisse hören, aber ein Mangel an Durchsetzung, ein Mangel an Verantwortlichkeit«, sagte Stefanik. »Und diese Regeln und Richtlinien spielen eine Rolle, egal, ob es Lehrer, Verwaltungsangestellte oder Schüler sind, die gegen die Regeln verstoßen.«

Stefanik verwies auch auf die Origins High School in Brooklyn, wo Berichten zufolge vierzig bis fünfzig Schüler im Oktober durch die Flure marschierten und »Tod für Israel« und »Tötet die Juden« skandierten. Die Kongressabgeordnete sagte, eine »unabhängige Untersuchung habe ergeben, dass einer Lehrerin, die Weltgeschichte unterrichtet, von einem Schüler gesagt wurde: ›Ich wünschte, du würdest umgebracht‹«. Ein anderer Schüler habe sie »eine dreckige Jüdin« genannt und gesagt, er wünschte, »Hitler hätte mehr Juden umbringen können, auch sie«.

Banks erwiderte, dass eine Untersuchung der öffentlichen Schulen von New York City »keine Beweise dafür gefunden hat, dass es irgendeine Bewegung durch die Flure gab, bei der ›Tod den Juden‹ gerufen wurde.« Er führte aus: »Und ich nehme das sehr, sehr ernst. Darüber wurde in den Zeitungen berichtet. Wir haben keine Beweise dafür gefunden, dass das tatsächlich passiert ist. Was wir gefunden haben, ist ein breites Spektrum von zutiefst beunruhigenden, antisemitischen Dingen, die an der Origins High School passiert sind.«

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