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Antisemitismus: Erfahrung Betroffener widerspricht offizieller Statistik

Rechtsextremer Antisemitismus?
Rechtsextremer Antisemitismus? Antiisraelische Demonstration in München (© Imago Images / Leonhard Simon)

Die offizielle Statistik ordnet 90% der antisemitischen Straftaten rechtsextremen Tätern zu, was der Erfahrung der Opfer dieser Taten widerspricht und einer falschen Kategorisierung geschuldet ist.

Christoph von Marschall, Tagesspiegel

[I]n der offiziellen Statistik über antisemitische Straftaten in Deutschland wird diese Breite der Motivationen in ihrer tatsächlichen Bedeutung ebenso wenig auftauchen wie in den vergangenen Jahren. Denn die kennt für diese politisch motivierte Kriminalität (PMK) nur fünf Kategorien: PMK-rechts, PMK-links, PMK-ausländische Ideologie, PMK-religiöse Ideologie, PMK-nicht zuzuordnen.

„Die Statistik gibt die Realität nicht wieder“, moniert Remko Leemhuis, Direktor des American Jewish Committee (AJC) Berlin. Sie bedient sich einer verzerrenden Praxis bei der Erfassung antisemitischer Delikte. Wenn der oder die Täter nicht ermittelt werden, wird eine antisemitische Straftat nicht als „nicht zuzuordnen“ registriert, obwohl es diese Kategorie gäbe, sondern als PMK-rechts. Dies geht auf eine Vorgabe des Bundeskriminalamts (BKA) zurück.

Das Ergebnis: Von 2351 antisemitischen Straftaten 2020 – die höchste Zahl seit Beginn der Erfassung 2001 – werden 2224, weit über 90 Prozent, als „rechts“ verbucht. Nach Schätzungen von Experten betrifft das rund die Hälfte der antisemitischen Straftaten in Deutschland. Sie sind nicht eindeutig weltanschaulich zuzuordnen, werden dann aber als „rechts“ eingestuft. Leemhuis fordert, diese Praxis zu ändern. (…)

In eine ähnliche Richtung weist eine EU-Studie unter Opfern antisemitischer Straftaten. Auf die Frage, ob sie Näheres zu den Tätern sagen können, antworteten 31 Prozent, das könnten sie nicht. 30 Prozent beschrieben sie als Menschen mit muslimisch-extremistischen Überzeugungen und 21 Prozent als Personen mit linken Ansichten.

Weiterlesen im Tagesspiegel: „Antisemitische Straftaten unter dem Radar der Polizei

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