Der kürzlich vereinbarte Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Syrien und dem Irak unterstreicht einen Wandel in den regionalen Beziehungen.
Der Irak und Syrien haben vereinbart, ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Sicherheit, Handel, Verkehr und Grenzkontrolle auszuweiten. Getroffen wurde das Übereinkommen im Zuge des ersten offiziellen Besuchs des irakischen Außenministers Fouad Hussein in Damaskus seit dem Sturz des Assad-Regimes.
Hussein traf am Montag auf Einladung des syrischen Außenministers Asaad al-Shaibani in der syrischen Hauptstadt ein, wo er von Präsident Ahmed al-Sharaa sowie von al-Shaibani und weiteren hochrangigen Vertretern empfangen wurde. Beide Seiten vereinbarten die Einrichtung eines hochrangigen Ausschusses für gemeinsame Koordinierung unter dem Vorsitz der beiden Außenminister. Damit sollen bilaterale Abkommen weiterverfolgt und die Zusammenarbeit zwischen Bagdad und Damaskus gestärkt werden.
Die Gespräche umfassten eine Vielzahl von Themen, darunter Energieinfrastruktur, Öltransit, die Integration der Stromnetze und die mögliche Instandsetzung von Ölpipelines zwischen den beiden Ländern. Der Besuch folgt auf jüngste Schritte zur Steigerung irakischer Öl- und Kraftstofftransporte durch syrisches Gebiet. Kürzlich wurde im Zuge der Wiederbelebung von Handelsrouten auch der Grenzübergang Rabia-Yarubiyah nach mehr als einem Jahrzehnt wiedereröffnet.
Bedeutende Entwicklung
»Diese Entwicklungen sind nicht nur als Schritt in den irakisch-syrischen Beziehungen von Bedeutung, sondern auch als Teil eines umfassenderen Wandels in der Region«, schreibt Radio Free Syria. Nachdem die beiden Länder von den autoritären Herrschern und deren Ideologie geprägt waren, deutet das jüngste Treffen in Damaskus auf Beziehungen hin, die zunehmend von praktischen staatlichen Interessen geprägt sind: von Fragen des Handels, der Energie, der Sicherheit und des Wiederaufbaus.
Die wachsende Zusammenarbeit zwischen Bagdad und Damaskus ist somit Ausdruck einer neuen Gewichtung: Syrien und der Irak agieren als Nachbarstaaten, die ihre eigenen nationalen Ziele verfolgen, und nicht als »Familienbetriebe« der Staatschefs oder als Stellvertreter und Schauplätze für die Ambitionen externer Kräfte wie dem Iran oder Russland.
Deshalb markiere die Annäherung gerade in ihrer Konzentration auf Alltägliches eine ebenso außergewöhnliche wie erfreuliche Entwicklung, so Radio Free Syria weiter: »Zwei Regierungen, die darüber beraten, wie sie gemeinsame Grenzen verwalten, wirtschaftliche Beziehungen wieder aufbauen und nationale Interessen nach Jahren der Diktatur, des Krieges und ausländischer Interventionen schützen können. Vielleicht ist das die umfassendere Geschichte. Syrien und der Irak sind nicht bloß Postkonflikt-Räume, die von anderen verwaltet werden müssen. Es sind Nationen und Völker, die ihre eigenen Interessen verfolgen.«






