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An Gideon Levy von der Haaretz: Sie verbreiten Lügen über mich

Von Sherri Mandell

Sehr geehrter Gideon Levy,

nachdem die Ish-Ran-Familie schwer verwundet wurde, ihr Baby vorzeitig auf die Welt geholt werden musste, wenig später verstarb und die Eltern nicht zur Beerdigung ihres Kindes gehen konnten, weil sie noch immer verletzt im Krankenhaus lagen, schrieben Sie, dass Sie keine Sympathien für die Siedler hegen und dass deren Tragödie nicht die Ihre ist. Dem fügten Sie hinzu: „Die Rachelust der Siedler wird niemals befriedigt sein. Wie kann man sich mit der Trauer von Menschen identifizieren, die sich so verhalten?“

Sie müssen nicht zusammen mit der Familie Ish-Ran trauern oder sie mit mir und meinesgleichen beweinen oder überhaupt etwas für uns empfinden. Aber bitte verbreiten Sie keine Lügen über uns. Tun Sie nicht so, als würden Sie mich kennen. Oder meinesgleichen.

Behaupten Sie nicht, dass ich nach Rache giere, weil ich eine Siedlerin bin. Unser Sohn Koby war 13 Jahre alt, als er im Jahr 2001 von Terroristen ermordet wurde. Ich weiß, dass es Ihnen egal ist, dass er und sein Freund Yosef Ish-Ran beide in der 8. Klasse waren, als sie die Schule schwänzten, wandern gingen und auf Terroristen trafen, die sie zu Tode steinigten. Weil sie Juden waren.

Sprechen Sie nicht zur Lemkus-Familie über deren Gier nach Rache. Dahlia Lemkus wurde in Gush Etzion im Alter von 26 Jahren erstochen. Dahlia leistete Freiwilligendienst in Yad Sarah, wo sie mit behinderten Kindern arbeitete. Ihre Eltern widmeten ihr einen Aufenthaltsraum in der Sukkat David Synagoge (benannt nach einem anderen Terroropfer, dessen Familie laut Ihnen nach Rache gierte).

Sprechen Sie nicht zur Familie Ariel über deren Gier nach Rache. Hallel Ariel war 13 Jahre alt, als sie in ihrem Kinderzimmer ermordet wurde. Ihre Eltern entschieden sich, ihre Weinkellerei weiter auszubauen und einen Wein mit dem Namen ihrer Tochter zu entwickeln. Sie gestalteten zudem ein Buch für Mädchen im Bat Mitzwa-Alter.

Sprechen Sie nicht zu den Familien der drei Jungen Naftali Fraenkel, Gilad Shear und Eyal Yifrah, die entführt und ermordet wurden, über deren Gier nach Rache. Nach den Morden begründeten die Familien einen nationalen Feiertag der Einheit.

Sprechen Sie nicht zu meiner Familie über deren Gier nach Rache. Im Jahr 2002 starteten wir das „Camp Koby“, ein Sommercamp für Kinder, deren Angehörige bei Terroranschlägen ums Leben kamen. Neben Kunst- und Schauspieltherapie, Yoga, Schwimmen und Singen für ihre Heilung, bieten wir den Kindern Gemeinschaft. Wir veranstalten diese Camps seit 18 Jahren. Wir haben Tausenden von Kindern geholfen.

Gideon, es stimmt, dass es Ihnen an Empathie mangelt – aber vor allen Dingen mangelt es Ihnen an Vorstellungskraft. Sie haben keine Vorstellungskraft was die Geschichte der Juden anbelangt, eine Geschichte der Hoffnung, welche die Torah und den Werdegang des jüdischen Volkes umfasst, die dazu geführt haben, dass wir hier leben – nicht nur, weil Israel ein Staat ist, sondern weil es ein Staat der Wiedergutmachung ist. Sie können sich nicht vorstellen, dass die Grabstätte von Rachel in Bethlehem und das Grab der Patriarchen in Hebron sowie das Grab von Josef und Shiloh und das Dorf Tekoa, wo Amos seine Prophezeiung verkündete und wo meine Familie lebt, Teil der jüdischen Geschichte sind.

Es sind unsere Feinde, die immer wieder nach Rache rufen. Sie brauchen dazu mit Sicherheit keine Unterstützung von Ihnen.

Sherri Mandell ist Mitgeschäftsführerin der Koby Mandell Foundation, die Programme für die Familien von Opfern in Israel veranstaltet. Auf Englisch zuerst erscheinen bei der Times of Israel.

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