Als der Mossad im Sudan ein Tauchzentrum betrieb

(Quelle: Pixabay)

„Manchmal steckt nicht nur der Teufel im Detail, sondern eben auch ein Fünkchen Wahrheit. So zum Beispiel in der offiziellen Werbebroschüre für den kleinen, aber feinen Ferienklub ‚Arous on the Sea‘ an der sudanesischen Küste aus den 80er‐Jahren. ‚Adventure à la carte‘ erwarte die Gäste, im Angebot habe man da so einiges, zum Beispiel Wasserski, Windsurfen oder Taucherausflüge – alles inmitten unberührter Natur und völlig abseits vom Massentourismus.

Um Abenteuerliches ging es dort in der Tat. Denn ‚Arous on the Sea‘ war kein gewöhnlicher Badeort für die Freunde des gepflegten Wassersports, sondern eine Art Potemkinsches Dorf, das Agenten des israelischen Geheimdienstes eigens dort aufgebaut und mehrere Jahre lang betrieben hatten.

Ihr Ziel: die Rettung äthiopischer Juden. Deren Situation war aufgrund von Hungersnöten und politischen Unruhen äußerst prekär geworden – allein nach der Machtübernahme in Addis Abeba durch den prosowjetischen Militärführer Mengistu Haile Mariam im Jahr 1977 waren über 2500 von ihnen ums Leben gekommen. Nun sollten sie mithilfe des Mossad via Sudan nach Israel in Sicherheit gebracht werden. Und genau diese klandestine Operation liefert den Stoff für den actiongeladenen Spielfilm The Red Sea Diving Resort, der am 31. Juli auf Netflix Premiere hatte. (…)

Beginn der ‚Operation Brüder‘, so die interne Bezeichnung, war 1979. Als europäische Touristen getarnte Agenten des Mossad begannen, sich im Sudan – ein Land, das sich damals wie heute offiziell im Kriegszustand mit Israel befindet – für einen ursprünglich 1972 von Italienern erbauten und dann wieder verlassenen Badeort an der Küste zu interessieren.

Über eine in der Schweiz registrierte Tarnfirma eröffnete man bald eine Art Feriendorf, das sich gezielt an Tauchsportler richtete und sich recht schnell zum Hotspot einer illustren Gästeschar entwickelte. (…) Äthiopische Juden, die bereits zu Tausenden unter teils dramatischen Bedingungen in den Sudan geflohen und dem Hungertod nahe waren, wurden in Lastwagen aus Flüchtlingscamps herausgeschmuggelt und nahe ‚Arous on the Sea‘ mit Schlauchbooten auf israelische Schiffe gebracht. Später dann schaffte man es sogar, eine kleine Landebahn für israelische Hercules‐Transportflugzeuge nahe dem Taucherparadies zu bauen, sodass insgesamt mehrere Tausend von ihnen nach Israel gebracht werden konnten – all das vor der Nase der zahlreichen Gäste, die nichts bemerken sollten.“ (Ralf Balke: „Mossad am Roten Meer“)


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