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Al Jazeera: Einseitigkeit im Dienst der Hamas

Der Sender Al Jazeera bot der Hamas stets eine freundliche Plattform. (© imago images/Karo)
Der Sender Al Jazeera bot der Hamas stets eine freundliche Plattform. (© imago images/Karo)

Al Jazeera porträtiert das tragische Schicksal eines jungen Palästinensers im Westjordanland. Über die Verbrechen der Hamas schweigt der Sender.

Mohammed Altlooli

Am vergangenen Freitag enthüllte ein Bericht des Korrespondenten Tamer Al-Mishal im TV-Sender Al Jazeera die Umstände des Todes eines palästinensischen Aktivisten im Gewahrsam der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) in Ramallah. Mit dem Bericht, der auf dramatische Art und Weise schilderte, wie der junge Mann ums Leben kam, beleuchtete Al Jazeera schlaglichtartig das System der Verhaftung und Ermordung von Kritikern der PA in Ramallah und dem Westjordanland.

Nizar Banat war ein junger Mann, der in aller Öffentlichkeit die Korruption der palästinensischen Führung und das brutale Vorgehen der palästinensischen Sicherheitsdienste kritisierte. Das kostete ihn das Leben. Selbstverständlich ist es gut, dass Medien über die Praktiken berichten, unter denen die palästinensische Bevölkerung zu leiden hat, und sie öffentlich an den Pranger stellt – eindrucksvoll schilderte Al Jazeera die Umstände von Nizars Verhaftung, beschrieb, wie er verschleppt und zu Tode geprügelt wurde.

Doch das soll nicht über ein bemerkenswertes Missverhältnis hinwegtäuschen: Al Jazeera beschäftigte sich ausführlich mit Nizar Banats Geschichte, schildert die Missstände im Westjordanland unter der Herrschaft der Autonomiebehörde und das allgemeine Klima der Repression, unter dem die Menschen leiden und nicht mehr wagen, Kritik öffentlich zu äußern.

Und die Hamas?

Im Vergleich dazu geradezu ohrenbetäubend ist allerdings das Schweigen Al Jazeeras über die Zustände im von der Hamas kontrollierten Gazastreifen, wo tagtäglich Verbrechen geschehen, die jene der Autonomiebehörde im Westjordanland in den Schatten stellen, darunter die Verschleppung, Folterung und Tötung von Aktivisten und Kritikern der islamistischen Unterdrücker.

Deshalb erfährt man auf Al Jazeera zwar einiges über das traurige Schicksal von Nizam Banat, hört aber niemals den Namen Issam al-Saafin, einem ebenfalls jungen Mann, der von der Hamas im Gefängnis wegen seiner politischen Ansichten gefoltert und ermordet wurde.

Al-Saafin war ein im Gazastreifen lebender Unterstützer von Präsident Mahmud Abbas und der Autonomiebehörde, die im Jahr 2007 in einem kurzen Bürgerkrieg von der Hamas aus dem Küstenstrich vertrieben worden war. Monatelang hatten die Schergen der Hamas gegen al-Saafin ermittelt, er wurde verschleppt und schlussendlich ermordet.

Der Tod von Issam hat in den sozialen Medien viel Aufmerksamkeit erregt – und wütende Kommentare auf der Webseite von Al Jazeera hervorgerufen, in denen die offenkundige Parteilichkeit des Senders und sein Schweigen über die Grausamkeiten der Hamas kritisiert wurden.

Neu ist diese Schlagseite Al Jazeeras beileibe nicht, seit Jahren unterstützt der Sender die Hamas: Er hat ihren Aufstieg gefördert, ihr eine Plattform geboten, um ihre programmatischen Vorstellungen und Aktivitäten zu propagieren, und ihr auf dem internationalen Parkett eine Stimme gegeben, die sie u. a. dazu nutzen konnte, um von reichen Arabern Spenden zu lukrieren. Al Jazeera hat die Visionen der Hamas vom »Widerstand« und von der »Befreiung Palästinas« verbreitet und eine wichtige propagandistische Rolle bei der Stabilisierung ihrer Herrschaft im Gazastreifen gespielt – und all das auf Kosten von Präsident Abbas, der Autonomiebehörde und der diese dominierenden Fatah.

Während die Tötung Nizar Banats von Al Jazeera als herzzerreißendes Drama mit entsprechender Musik inszeniert wird, um für Unterstützung und Sympathie für die Hamas sowie die Muslimbruderschaft in Ägypten, Tunesien, Algerien und anderswo in der arabischen Welt zu werben, wird die Terrorherrschaft der Hamas systematisch ausgeblendet und deren Kritikern jede Gelegenheit genommen, ihre Stimme zu erheben.

Proteste gegen diese Einseitigkeit macht sich auf sozialen Medien laut – die, wie so oft, die einzige Möglichkeit derer sind, sich Gehör zu verschaffen, die zum Schweigen gebracht werden sollten.

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