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In Yarmouk am Rande von Damaskus ließ das Assad-Regime buchstäblich Menschen verhungern. (© imago images/Xinhua)
In Yarmouk am Rande von Damaskus ließ das Assad-Regime buchstäblich Menschen verhungern. (© imago images/Xinhua)

Die Presse veröffentlichte einen Gastkommentar, der mit seiner Verkehrung der Realität pure Propaganda für das Assad-Regime betreibt.

Sehr geehrte Presse-Redaktion,

Anfang September wies Tarafa Baghajati in einem Gastkommentar darauf hin, wie das Innenministerium die Lage in Syrien verharmlost, um es als weitgehend sicheres Land zu porträtieren. An der Seite von Innenminister Gerhard Karner hatte die aus Syrien stammende Rasha Corti »unverblümt das Narrativ des syrischen Regimes« verbreitet (»Propaganda für die Assad-Diktatur im Innenministerium«, 1. September 2022). Mit ihrem Gastkommentar in der Presse setzt Corti genau das fort: Die aktuell hohen Flüchtlingszahlen benutzt sie, um ein Ende der Sanktionen gegen das Assad-Regime zu fordern.

Ihre dabei vollzogene Verkehrung der Realität ist geradezu atemberaubend: Nicht das massenmörderische Assad-Regime und seine internationalen Unterstützer sollen für das unermessliche Leid und die millionenfache Flucht von Syrern aus ihrem Land verantwortlich sein, sondern die westlichen Sanktionen, die Corti als »Hauptursache« der schlechten wirtschaftlichen Lage darstellt und die »übermäßig Leid« verursachen würden.

Sie beklagt die Knappheit an Nahrungsmitteln und die mangelnde Ernährungssicherheit im Land, erwähnt aber mit keinem Wort, wie das Assad-Regime in seinem Krieg gegen die Opposition systematisch Hunger als Waffe eingesetzt hat. Sie weist auf Medikamentenmangel hin, verschweigt aber, wie das Regime mit tatkräftiger russischer Unterstützung bewusst Krankenhäuser bombardiert und die medizinische Infrastruktur zerstört hat, um das Leben der Menschen in aufständischen Regionen unmöglich zu machen. Ihr zufolge sollen es die Sanktionen sein, die für »Verzweiflung« und Flucht verantwortlich wären und nicht etwa das Regime, das Giftgas und Fassbomben gegen die eigene Bevölkerung einsetzte, Zigtausende verschleppte und zu Tode folterte, Hunderttausende Syrer ermordete und etliche Millionen mit voller Absicht in die Flucht trieb. Dass sie auch noch fordert, Geflüchtete »zurückzuschicken« und sie damit den Schergen des Regimes in die Hände zu treiben, rundet Cortis an kalter Verachtung für die zahllosen Opfer Assads kaum zu überbietende Argumentation ab.

Seit Jahrzehnten lebt das syrische Regime davon, sich als Heilmittel für das von ihm selbst verursachte Leid und Elend zu präsentieren – und davon, dass sich offenbar immer noch Leute wie Corti finden, die sich diese zynische Propaganda zu eigen machen.

Mit freundlichen Grüßen,
Florian Markl

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