Ahmad Mansour: Falsch verstandene Toleranz in der Integrationsdebatte

„Veranstaltungen mit Ahmad Mansour laufen nicht ab wie andere öffentliche Diskussionen. Wenn der Psychologe und Islamismusexperte auftritt, werden Taschen kontrolliert, nur angemeldete Gäste eingelassen und rechts und links der Bühne sitzen zwei diskrete Herren in Zivil: staatliche Personenschützer, die mit hochkonzentriertem Blick die Sitzreihen des Publikums scannen. (…)

In dem klassizistischen Veranstaltungssaal der Volkshochschule Leipzig geht es eigentlich um Antisemitismus, und der andere Gast, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, referiert auch brav zum Thema. Mansour wippt derweil unruhig mit dem Fuß wie ein Rennpferd kurz vor dem Startschuss. Für ihn hängt alles mit allem zusammen, der Antisemitismus bei einem Teil der Migranten ist seiner Ansicht nach Ausdruck einer gescheiterten Integration in Deutschland. Man lasse muslimischen Zugewanderten ihren Antisemitismus quasi als Folklore durchgehen oder verharmlose ihn als Ausdruck des schwelenden israelisch-arabischen Konflikts.

Endlich ist er dran. Deutschland habe eine absurde und gefährliche Vorstellung von Integration, sagt er. ‚Bisher bedeutete sie: Sprache plus Arbeit minus Kriminalität‘, kritisiert Mansour. ‚Nach diesem Massstab war Mohammed Atta, einer der Attentäter vom 11. September, super integriert.‘ (…)

Mansour gefällt dieses Beispiel, er führt es oft an, denn es zeigt auf besonders drastische Weise, was ihm so missfällt: falsch verstandene Toleranz. Viele Deutsche wollten so dringend beweisen, dass sie besser seien als ihre Eltern oder Großeltern in der Nazizeit, dass sie vor jeder Fehlentwicklung die Augen verschlössen. Genau das führe dazu, das Migranten nie ankämen und in Parallelwelten feststeckten.

Und dann sagt er einen Satz, der insbesondere in linksliberalen Kreisen eigentlich tabu ist: ‚Integration ist eine Bringschuld der Migranten.‘ Man müsse sie nicht schonen oder, noch schlimmer, patriarchale Strukturen als Teil ihrer kulturellen oder religiösen Identität rechtfertigen. (…)

All das hört man in Deutschland nicht besonders gern. Zum gesellschaftlichen Mainstream gehört es, die multikulturelle Gesellschaft gut zu finden, andere Kulturen und Religionen nicht nur zu achten, sondern auch als gleichwertig anzusehen. Und dann kommt Ahmad Mansour daher und stört mit seinen Zwischenrufen. Er fragt mit geradezu missionarischem Eifer: Wollt ihr wirklich patriarchale Familienstrukturen akzeptieren? Gewalt gegen Kinder, die nicht beten wollen? Ehrenmorde? Kopftuchzwang? Grundschüler, die umkippen, weil sie gedrängt werden zu fasten? Mädchen, die nicht schwimmen lernen dürfen?“ (Silke Mertens: „Ahmad Mansour provoziert die Deutschen – er hält ihre toleranten Integrationskonzepte für untauglich“)

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