Wie Diktator Assad das blutige Endspiel um Syrien gewinnen will

„Die Kurden im nordwestsyrischen Afrin sitzen angesichts einer zunehmend tödlichen und gefährlichen Verschiebung der Gemengelage zwischen allen Stühlen. In den letzten Wochen ist es durch die türkische Intervention zum Krieg in der Provinz gekommen. Deren Ziel soll darin bestehen, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) aus dem Gebiet zu vertreiben. Die Türkei hat von einer 30 Kilometer breiten Pufferzone gesprochen. Allerdings gab es auch Äußerungen, denen zufolge 500.000 (oder noch mehr) syrische Flüchtlinge, die in die Türkei geflohen sind, in Afrin angesiedelt werden sollen.

Am Montag erklärte das syrische Regime, ‚Volksstreitkräfte’ würden nach Afrin entsandt, um es gegen die türkische ‚Aggression’ zu verteidigen. Die Türkei hat erklärt, sie werde das syrische Regime zwar nicht bekämpfen, es aber mit jeglicher Streitmacht aufnehmen, die der YPG den Verbleib in Afrin ermögliche. So ist eine explosive Lage entstanden. Russland ist mit dem syrischen Regime verbündet, unterhält aber auch gute Beziehungen zu Ankara. Moskau willigte in die türkische Intervention ursprünglich ein, doch in den letzten Tagen sind aus Moskau andere Töne zu vernehmen. (…) Die Kurden zeigten sich überrascht, dass die Amerikaner den NATO-Partner Türkei nicht in die Schranken wiesen, und dass die Russen die YPG fallen ließen statt wie versprochen mit ihr zusammenzuarbeiten. Moskau wollte sich die Krise in den Beziehungen zwischen der Türkei und den USA zunutze machen und war bereit, Afrin zu diesem Zweck zu opfern. (…) Das syrische Regime bereitet eine Großoffensive gegen die syrischen Aufständischen in Ostghouta vor. Wie es außerdem mit einem Mal die Kontrolle über Afrin übernehmen könnte, ist unklar. Das Regime hat die Ablenkung der Aufständischen, die die Türkei in Afrin unterstützen, genutzt, um zuzuschlagen.

Für das Regime wäre die Aussicht, Afrin wie eine reife Frucht unter der Nase der Türkei wegzuschnappen, reizvoll. Damaskus ist aber auf die Unterstützung Moskaus angewiesen, um die türkische Luftwaffe an der Fortsetzung ihrer Luftschläge gegen Afrin zu hindern. Es möchte die Beziehungen zwischen den USA und den YPG  schwächen und ein Einverständnis mit der Türkei erreichen. Das Regime meint, es sei ihm womöglich gelungen, die Türkei in eine Falle zu locken. Könnte es die YPG zum Mitspielen bewegen, würde es eine Provinz zurückgewinnen, ohne etwas unternehmen zu müssen. Zunächst wollen das Regime und die YPG diese Möglichkeit in den Raum stellen, um zu ermitteln, wie die USA, Ankara und Moskau reagieren. In jüngster Zeit kusrieren Gerüchte, denen zufolge der Iran über die Bedrohung mancher im Umfeld Afrins gelegener Dörfer verärgert sei. Demnach würden regimetreue Elemente darauf drängen, nach Afrin zu ziehen und sich den ‚Jihadisten’ entgegen zu stellen. Dies ist aber ein gefährliches Spiel. Russland hält sich zugute, ein guter Schachspieler zu sein. Doch selten ist die Konstellation so komplex gewesen wie jetzt in Afrin. Viele der Menschen vor Ort werden dabei leider zum Bauernopfer, um es Damaskus, Ankara, Moskau und Washington recht zu machen.“ (Seth J. Frantzman: „The contest for Afrin province has become dangerous and deadly“)

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