Afrin: Mit Türkei verbündete Islamisten wollen Schleierzwang durchsetzen

Mit der Türkei verbündete Kämpfer der FSA

„Anfang des Jahres erlebten die mit Bäumen bestandenen Straßen des nordsyrischen Afrin heftige Schlachten und einen mehrere Wochen währende Offensive. Drei Monate nach dem Ende der Kämpfe wird in ihnen ein neuer Konflikt ausgetragen, bei dem es um Moral, Religion und die Bekleidung der Frauen geht. In der ganzen Stadt sind Plakate aufgehängt worden, die Frauen auffordern, sich zu verhüllen und sittlich zu kleiden. Für viele Bewohner hebt sich dieser religiöse Konservatismus von der eher säkularen Tradition Afrins ab. ‚Ich habe in den Haupt- und Nebenstraßen Plakate gesehen, die Frauen auffordern, sich zu verhüllen und locker anliegende Kleidung zu tragen. Das gefällt uns hier in Afrin gar nicht‘, erklärte Elizabeth, eine kurdische Bewohnerin Afrins Middle East Eye gegenüber. Elizabeth betreibt ein Kosmetikgeschäft in der Stadt, die während des Syrienkriegs bislang von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrolliert wurde und relativ sicher zu sein schien. Das änderte sich alles, als das türkische Militär und gut 25.000 mit ihm verbündete Aufständische der Freien Syrischen Armee (FSA) die zweimonatige ‚Operation Olivenzweig‘ begannen, um die Stadt einzunehmen.

In den zwei Monaten seitdem die Türkei und die FSA in Afrin die Kontrolle übernahmen haben die Verhältnisse in der Stadt sich zum Teil wieder stabilisiert. ‚Mit meiner Arbeit läuft es allmählich besser und die Zahl meiner Kunden nimmt zu‘, so Elizabeth. Doch infolge des Wechsels von der säkular orientierten kurdischen Herrschaft zur konservativeren der FSA erlebt Afrin einen Kulturkampf, der in den Straßen der Stadt seinen sichtbaren Ausdruck gefunden hat. (…)

Plakat, das Frauen zum Tragen des Kopftuchs auffordert

Die Plakate richten sich direkt an die Frauen und sprechen sie als Enkelinnen der Gefährten Mohammeds an. Sie bezeichnen die Verhüllungspflicht als eine rote Linie. Zudem sollten die Frauen lose anliegende Kleidung tragen und durchsichtige oder die Figur betonende Bekleidung meiden. ‚Bestimmt selbst Euer Erscheinungsbild, doch seid gehorsam‘, heißt es auf einigen Spruchbändern. Die Initiative geht auf Ahrar al-Scharqiya zurück, eine zur FSA gehörende Gruppe von Aufständischen, die im ländlichen Teil der Provinz Aleppo ihren Name machte und der Türkei dabei half, den YPG Afrin abzunehmen. Ahrar al-Scharqiya wurde Anfang 2016 gebildet und setzt sich aus verschiedenen Brigaden zusammen, die überwiegend aus der aufständischen Provinz Deir Ezzor im Osten Syriens stammen. Im August 2016 schloss die Gruppe sich der Türkei bereits bei ihrer ersten Operation im Norden Syriens, der Operation ‚Schutzschild Euphrat‘ an, die sich gegen den Islamischen Staat und die YPG entlang der türkischen Grenze richtete.“ (Harun al-Aswad: „Culture clash: Campaign in Syria’s Afrin tells women to cover up“)

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