Ägypten hat seine bisher deutlichste Warnung seit Beginn der Krise im Sudan im Jahr 2023 ausgesprochen und rote Linien festgelegt, die es für seine nationale Sicherheit als unerlässlich erachtet.
Die ägyptische Erklärung roter Linien fiel mit dem Treffen von Präsident Abdel Fattah El-Sisi mit dem Vorsitzenden des sudanesischen Souveränen Rats und De-facto-Präsidenten Abdel Fattah al-Burhan am 18. Dezember zusammen. El-Sisi bekräftigte die »uneingeschränkte Unterstützung seines Landes für das sudanesische Volk in seinen Bemühungen, die derzeitige heikle Phase zu überwinden« und sprach sich »für die Einheit, Souveränität, Sicherheit und Stabilität des Sudans« aus.
Während des Besuchs von al-Burhan bekräftigte Kairo seine »volle Unterstützung für die Vision von US-Präsident Donald Trump zur Erreichung von Sicherheit, Stabilität und Frieden im Sudan« im Rahmen des »Ansatzes der US-Regierung zur Herstellung von Frieden, zur Vermeidung von Eskalationen und zur Lösung von Konflikten auf der ganzen Welt«.
Nun hat Ägypten erstmals seit Beginn der Sudan-Krise »rote Linien« gezogen, deren mögliche Überschreitung die nationale Sicherheit bedrohen würde, die in direktem Zusammenhang mit der nationalen Sicherheit des Sudans stehe.
Zu diesen roten Linien zählen laut der präsidialen Erklärung »die Wahrung der Einheit und territorialen Integrität des Sudans, die Nichtbeeinträchtigung der Ressourcen des sudanesischen Volks und die Nichtzulassung der Abspaltung eines Teils des sudanesischen Territoriums«. Weiters sei unabdingbar, dass staatliche Institutionen aufrechterhalten und geschützt werden. Der Sudan habe »das uneingeschränkte Recht, alle notwendigen Maßnahmen und Aktionen zu ergreifen, die durch das Völkerrecht garantiert sind«, einschließlich der Aktivierung des gemeinsamen Verteidigungsabkommens zwischen den beiden Ländern, um sicherzustellen, dass diese roten Linien weder verletzt noch überschritten werden.
Im März 2021 hatte Ägypten ein Militärkooperationsabkommen mit dem Sudan vereinbart, das Ausbildung, Grenzsicherheit und die Bekämpfung gemeinsamer Bedrohungen umfasst. Schon 1976 wurde ein gemeinsames Verteidigungsabkommen abgeschlossen, um externen Bedrohungen entgegenzuwirken.
Gemeinsame Koordinierung
In einem Kommentar zur Erklärung des ägyptischen Präsidenten sagte Yahya Kadwani, Mitglied des Ausschusses für Verteidigung und nationale Sicherheit des Parlaments: »Angesichts der Existenz von Verschwörungen, die auf die Spaltung des Sudans abzielen, ist es notwendig, rote Linien zu ziehen, die nicht überschritten werden dürfen, um die Ressourcen des sudanesischen Staates zu bewahren und den Schutz der nationalen Sicherheit Ägyptens zu gewährleisten.« Gegenüber der saudischen Zeitung Asharq Al-Awsat bekräftigte Kadwani, die ägyptische Position zur Wahrung der Einheit und Integrität des Sudans sei »fest und unerschütterlich. Kairo ist in der Lage, die verkündeten Erklärungen und Initiativen zum Schutz der sudanesischen staatlichen Institutionen umzusetzen.«
Laut Kadwani verwies Ägypten in seinen Ausführungen auf das gemeinsame Verteidigungsabkommen, um zu betonen, dass es eine gemeinsame Koordinierung zwischen den beiden Ländern im Rahmen des Völkerrechts und der zuvor zwischen ihnen unterzeichneten Abkommen gebe.
Alle Optionen offen
Hatem Bashat, der ehemalige ägyptische Konsul im Sudan, meinte, die Erklärung Kairos spiegle die Bedrohung für die südliche Grenze Ägyptens und das Ausmaß der Krise wider, mit der der Sudan derzeit konfrontiert ist, insbesondere die Gefahr einer weiteren Abspaltung nach der Unabhängigkeit des Südsudans im Jahr 2012: »Kairo hält sich alle möglichen Optionen offen, um jedem Versuch, den Sudan zu spalten, entgegenzuwirken.«
Aufgrund seiner Nähe, seiner gemeinsamen Geschichte und seiner politischen und wirtschaftlichen Beziehungen sei einzig Ägypten jenes Land, »das am besten in der Lage ist, die sudanesische Frage zu behandeln«. Ägyptens Priorität bezüglich einer politischen Lösung der sudanesischen Krise liege weiterhin auf der diplomatischen Ebene, während »die militärische Option zwar verfügbar ist, aber nur als letztes Mittel, das Kairo unter extremen Umständen einsetzen würde«.
Amani al-Tawil, Experte für afrikanische Angelegenheiten am Al-Ahram-Zentrum für strategische Studien in Kairo, sagte, Ägypten sei sich bewusst, dass es keine militärische Lösung für die Sudan-Krise gebe und jede Intervention nur vorübergehend und begrenzt sein würde, wobei man sich voll und ganz zur Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten verpflichte. Eine politische Lösung sei der einzig mögliche Weg, um den aktuellen Konflikt zwischen der sudanesischen Armee und den Milizen der Schnellen Eingreiftruppen (RSF) zu beenden, der nach zwei Jahren Bürgerkrieg zu einer Spaltung des Landes geführt hat.






