Ägyptische Regierungsvertreter haben die Hamas dafür kritisiert, dass sie die Hungersnot der Bevölkerung im Gazastreifen zugunsten ihres eigenen Überlebens ignoriert.
Einer der größten Knackpunkte bei den wegen der Unnachgiebigkeit der Hamas unterbrochenen Verhandlungen über einen Waffenstillstand im Gazastreifen sind die Hamas-Forderungen bezüglich einer Freilassung von in israelischen Gefängnissen einsitzenden Terroristen im Austausch gegen die israelischen Geiseln. So forderte die Terrorgruppe jüngst im Austausch für nur zehn Geiseln die Freilassung einer deutlich höheren Zahl von Terroristen, die wegen Mordes an Israelis zu lebenslangen oder besonders langen Haftstrafen verurteilt wurden.
Die Hamas weigerte sich während der Doha-Gespräche über zwei Wochen lang, näher auf die Zahl der Gefangenen einzugehen und stellte ihre neuen Forderungen erst am letzten Tag der Verhandlungen, wobei sie auch die Freilassung lebender Terroristen im Austausch gegen die sterblichen Überreste von Geiseln verlangte. Als dies letzte Woche von den Hamas-Verhandlungsführern angesprochen wurde, brach unter den ägyptischen Vermittlern heftiger Unmut aus und es kam zu einem minutenlangen Wortgefecht.
Eine arabische Quelle berichtete, dass die Ägypter die Hamas-Vertreter scharf attackierten und ihnen vorwarfen, sie würden ihre hungernde Bevölkerung kaltherzig missachten und sich nur um ihr eigenes Überleben sorgen. Ein hochrangiger palästinensischer Funktionär kritisierte die Hamas-Führer Khalil al-Hayya, Zaher Jabarin und Nizar Awadallah ebenfalls: »Sie sind bereit, bis zum letzten Tropfen Blut der Kinder im Gazastreifen zu kämpfen, während sie selbst in Villen in Katar und der Türkei sitzen. Sie verstehen nicht, dass diese Runde vorbei ist. Sie haben den Gazastreifen ins Unglück gestürzt und klammern sich nun an die Überreste ihrer militärischen Macht, nur um sagen zu können, dass sie nicht besiegt wurden.«
Druck aus dem Iran
Bemerkenswert ist, dass sowohl Jabarin als auch Awadallah dem Iran besonders nahestehen, der die Hamas Berichten zufolge dazu drängt, in den Verhandlungen in Doha über einen Waffenstillstand eine harte Linie zu behalten. Dieser Druck soll einer der Hauptgründe dafür sein, dass noch keine Einigung erzielt wurde.
Die Hamas war auch überrascht von der scharfen Kritik der USA, die sowohl von Sonderbeauftragten Steve Witkoff als auch von Präsident Donald Trump geäußert wurde. »Die Hamas-Führung verhält sich, als wäre es noch der 8. Oktober, als halte sie Hunderte von Geiseln fest und kontrolliere den gesamten Gazastreifen.« Die Terrorgruppe schein noch nicht in der aktuellen Realität angekommen zu sein, »in der sie fast nichts mehr kontrolliert, Zehntausende Palästinenser tot sind, die Städte des Gazastreifens in Trümmern liegen und die Vertriebenen hungern«, so ein an den Gesprächen beteiligter arabischer Beamter.
Der Vermittler fügte hinzu, dass die arabischen Staaten bald Druck auf die Hamas ausüben könnten, die Palästinensische Autonomiebehörde an den Gesprächen zu beteiligen, zumindest, was die humanitären Versorgungswege und die Hilfe für die Vertriebenen angeht. »Israel ist durch seine anhaltenden Militäroperationen für die humanitäre Krise verantwortlich, aber die Hamas behindert die humanitären Bemühungen, und die Verantwortung sollte auf eine andere palästinensische oder arabische Führung übertragen werden.«






