Ägypten droht der wirtschaftliche Zusammenbruch

IWF-Chefin Lagarde und Ägyptens Präsident al-Sisi

„Ein Jahr nachdem sich Ägypten als ‚globaler Investitionsstandort‘ neupositioniert hat, nennen es Finanzkommentatoren den heißesten aufstrebenden Markt der Welt. Die Investoren strömen förmlich in das Land, in der Hoffnung, auf den ägyptischen Kapitalmärkten ein Vermögen zu machen. Im Dezember 2018 lag der im Ausland fällige Schuldenbestand um mehr als 20 Prozent über dem des Vorjahres, wobei sich dieser Trend im Jahr 2019 fortsetzen sollte. Eine Investmentbank bezeichnete die offensichtliche Erholung Ägyptens als die ‚attraktivste Reformstory‘ im Nahen Osten, in Afrika, Indien und Osteuropa. Das alles verschleiert jedoch eine weniger rosige Realität. In einem von der Weltbank im April 2019 veröffentlichten Bericht wurde berechnet, dass ‚rund 60% der ägyptischen Bevölkerung entweder arm oder zumindest von Armut bedroht sind‘. Die allgemeinen Lebensbedingungen gehen inzwischen rapide zurück. Wie kann es also sein, dass die wirtschaftlichen Aussichten Ägyptens so rosig erscheinen?

Eine große Täuschung liegt dem wunderbaren wirtschaftlichen Aufschwung Ägyptens zugrunde und seine Architekten sind die Regierung des Generalpräsidenten Abdel Fattah al-Sisi und der Internationale Währungsfonds. Das chronische Missmanagement der öffentlichen Finanzen und die allgemeine Nachlässigkeit der Regierung haben dazu geführt, dass sich die Auslandsverschuldung in den letzten fünf Jahren aufgrund der Abwertung des ägyptischen Pfunds fast verfünffacht und sich die öffentliche Verschuldung mehr als verdoppelt hat – und dies wird voraussichtlich auf absehbare Zeit so bleiben. Die Regierung stellt derzeit 38 Prozent ihres gesamten Haushalts zur Verfügung, nur um die Zinsen für ihre ausstehenden Schulden zu bezahlen. Zählt man Kredite und Raten hinzu, werden mehr als 58 Prozent aufgefressen.

Mit anderen Worten, der Löwenanteil der öffentlichen Mittel Ägyptens fließt eher in die Tilgung von Schulden als in die Stärkung und Unterstützung der Zivilgesellschaft. In einem Land mit 100 Millionen Einwohnern am Mittelmeer sind die mageren Ausgaben für Gesundheit, Bildung und Infrastruktur alarmierend und sollten auch Europa wachrütteln. Wenn sich der aktuelle Trend fortsetzt, wird Ägypten bald bankrott sein.“ (Yehia Hamed: „Egypt’s Economy Isn’t Booming, It’s Collapsing“)

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