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Haben Ägypten und Iran vereinbart, Botschafter auszutauschen?

Ägyptens Präsident Abdel-Fattah el-Sisi empfängt den iranischen Außenminister Abbas Araghchi
Ägyptens Präsident Abdel-Fattah el-Sisi empfängt den iranischen Außenminister Abbas Araghchi (© Imago Images / Xinhua)

Nach offiziellen iranischen Erklärungen über eine Vereinbarung zum Austausch von Botschaftern sind die Beziehungen zwischen Ägypten und dem Iran in den letzten Tagen in den Vordergrund gerückt.

Am vergangenen Donnerstag zitierte die iranische Nachrichtenagentur Tasnim den Leiter der iranischen Interessenvertretung in Ägypten Mojtaba Ferdowsi Pour mit den Worten: »Teheran und Kairo haben die Entscheidung zum Austausch von Botschaftern endgültig getroffen und abgeschlossen.« Der iranische Diplomat wies darauf hin, dass seitens der Führung beider Länder »der volle politische Wille« bestehe, die Botschafter wieder einzusetzen und die einzige noch offene Frage darin bestehe, sich auf den Zeitpunkt der Bekanntgabe zu einigen.

Ferdowsi Pour fügte hinzu, in den letzten Jahren hätten mehr als fünfzehn Treffen auf Außenministerebene stattgefunden, dazu noch solche anderer Ressorts, an denen die Ministerien für Gesundheit, Justiz, Tourismus und Energie beteiligt waren. Im Zuge dieser wurden bereits einige Vereinbarungen umgesetzt, während andere sich noch im Zustand der Prüfung befänden.

Zwei Tage später teilte eine gut informierte ägyptische Quelle der offiziellen Nachrichtenagentur MENA mit, dass Berichte über eine Einigung zwischen Ägypten und der Islamischen Republik über den Austausch von Botschaftern nicht der Wahrheit entsprächen. Die Quelle bestätigte die laufenden Kontakte zwischen Ägypten und dem Iran und merkte an, dass diese Gespräche Teil umfassenderer regionaler Bemühungen zur Entspannung der Lage seien.

Langsame Annäherung

Kairo und Teheran brachen 1979 ihre diplomatischen Beziehungen ab, nachdem Ägypten einen Friedensvertrag mit Israel unterzeichnet und nach der Islamischen Revolution den aus dem Iran geflüchteten Schah Mohammad Reza Pahlavi aufgenommen hatte. Elf Jahre später nahmen die beiden Staaten ihre Beziehungen wieder auf, jedoch nur auf der Ebene der Geschäftsträger, ohne Botschafter auszutauschen.

In den Jahren 2023 und 2024 trafen sich ägyptische und iranische Minister mehrmals, um die Entwicklung der Beziehungen zu erörtern. Im Mai 2023 berichtete die iranische Nachrichtenagentur IRNA dann, dass der damalige iranische Präsident Ebrahim Raisi das Außenministerium angewiesen habe, die Beziehungen zu Ägypten zu stärken.

Im Juli 2025 begrüßte der ägyptische Außenminister Badr Abdel-Aty die iranische Entscheidung, die Khaled-Islambouli-Straße in Teheran umzubenennen, die nach dem Attentäter des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat aus dem Jahr 1981 benannt worden war, was zu den angespannten Beziehungen beigetragen hatte. »Wir begrüßen die Umbenennung der nach dem Attentäter von Präsident Sadat benannten Straße durch den Iran und hoffen, dass die dadurch gewonnene Dynamik in den Beziehungen zur Wiederherstellung voller diplomatischer Beziehungen führen wird.«

In einem Kommentar zu den jüngsten widersprüchlichen Berichten schloss der ehemalige Assistent des ägyptischen Außenministers und Mitglied des ägyptischen Rats für auswärtige Angelegenheiten Rakha Ahmed Hassan einen Austausch von Botschaftern zwischen den beiden Nationen zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus. »Angesichts der aktuellen Umstände, einschließlich der Gefahr eines Militärschlags gegen den Iran, ist ein Austausch von Botschaftern derzeit unwahrscheinlich.« Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern hätten sich sich jedoch verbessert und könnten in Zukunft zur Etablierung einer vollständigen diplomatischen Vertretung führen.

Darüber hinaus erklärte der ehemalige ägyptische Außenminister Gamal Bayoumi, die künftige Normalisierung der Beziehungen sei weiterhin davon abhängig, dass die nationale Sicherheit der arabischen Staaten nicht gefährdet wird. So hege Ägypten Vorbehalte gegenüber den bewaffneten Stellvertretern des Irans in der Region, da es der Ansicht sei, dass diese bewaffneten Gruppierungen, sei es im Jemen, im Libanon oder im Irak, daran arbeiteten, das Konzept des Nationalstaates zu untergraben, was Ägypten entschieden ablehne. Bayoumi betonte jedoch, dass sich die Zusammenarbeit zwischen Kairo und Teheran in den letzten Jahren verbessert habe, was zu einer relativen Stabilität in den Beziehungen beigetragen habe.

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