Abtreibungsverbot im Libanon drängt Frauen in die Illegalität

„Im Libanon sind Abtreibungen verboten, es sei denn, die Gesundheit der Schwangeren ist in Gefahr. Dies gilt selbst dann, wenn sie vergewaltigt oder ein Opfer von Inzest geworden ist. Die 1943 verabschiedeten Artikel 539–546 des libanesischen Strafgesetzbuchs untersagen Abtreibungen. Frauen, die sich einer Abtreibung unterziehen, können zu einer Haftstrafe von sechs Monaten bis zu drei Jahren verurteilt werden. Auf die Vornahme einer Abtreibung stehen ein bis drei Jahre Haft. Sollte die Gesundheit der Schwangeren in Gefahr sein, müssen zwei Ärzte (die die Abtreibung selbst nicht vornehmen werden) dies bescheinigen. Dennoch schaffen viele Frauen es, illegale Abtreibungen vornehmen zu lassen. Entsprechende Kontaktinformationen werden durch Mundpropaganda verbreitet. Das Gesundheitsministerium legt zwar offizielle Statistiken vor, doch kombinieren diese die Zahlen der Abtreibungen und interuterinen Fruchttode. Die gemeldete Gesamtzahl für 2015 lag bei 11.549. Im Jahr 2016 wurde ein libanesischer Arzt verhaftet, weil er ungefähr 200 Abtreibungen an 75 syrischen Sexsklavinnen vorgenommen hatte, die Menschenhändler ins Land gebracht hatten. Sie hatten den Frauen Arbeit in Restaurants und Hotels versprochen. (…)

Etliche Ärzte nutzen die Tatsache aus, dass Abtreibungen verboten sind, und lassen sich gut bezahlen. Den Angaben mehrerer Ärzte und Frauen zufolge kosten Abtreibungen im Libanon umgerechnet zwischen $300 und $1,200. (…) In Beirut haben Frauen in der Regel die Möglichkeit, in illegal betriebenen Kliniken Abtreibungen zu erhalten. Auf dem Lande ist das nicht unbedingt der Fall, insbesondere für Frauen, die in prekären Verhältnissen leben, wie Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen.

Während die meisten Frauen sich auf ihre Freunde und persönlichen Netzwerke verlassen, wenn es um ihre sexuelle und Reproduktionsgesundheit geht, gibt es in Beirut auch einige wenige NGOs, die eine alternative Informationsquelle darstellen. Außerdem können internationale Initiativen wie die in Amsterdam ansässige Organisation Women On Web (WoW) Unterstützung bieten. WoW betreibt ein Programm, das Frauen in verschiedenen Ländern Abtreibungspillen mit der Post schickt. Wie Nour Saadi, eine syrische Ärztin, die für WoW arbeitet, berichtet, gingen die Päckchen manchmal allerdings verloren. ‚Durchschnittlich setzen sich monatlich zwei Libanesinnen mit WoW in Verbindung und bitten um die Pillen‘, so Saadi. Abtreibungen scheinen im Libanon weit verbreitet zu sein, doch ignoriert die Regierung die Frage und eine Reform der Gesetzgebung ist nicht in Sicht.“ (Virginie Le Borgne: „Illegal abortion in Lebanon: ‚I couldn’t comprehend how painful it was‘“)

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