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Grenzübertritte wieder möglich: 500 syrische Drusen besuchen Israel

Syrische Drusen reisen nach Israel ein, um an den religiösen Feierlichkeiten am Grab von Nabi Shu'ayb teilzunehmen
Syrische Drusen reisen nach Israel ein, um an den religiösen Feierlichkeiten am Grab von Nabi Shu'ayb teilzunehmen (Quelle: JNS)

Mehr als 500 Einwohner Syriens erhielten von den neuen Machthabern in Damaskus und den Behörden in Jerusalem die Erlaubnis, an einer Pilgerreise ins israelische Galiläa teilzunehmen.

Canaan Lidor

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten besuchten am Freitag Hunderte syrische Drusen Israel, um an einer religiösen Feier teilzunehmen, was ein Teilnehmer als Beweis für einen »grundlegenden Wandel in der Lebensrealität der Region« bezeichnete.

Etwa 500 Drusen aus Syrien sowie einige aus Jordanien nahmen gemeinsam mit israelischen Drusen an den jährlichen Feierlichkeiten am Grab von Nabi Shu’ayb (Jitros Grab) teil, der heiligsten Stätte der drusischen Religion, die sich in der Nähe des Dorfes Hittin ca. fünf Kilometer westlich von Tiberias in Galiläa befindet. »Es war ein bewegendes Ereignis, das einen Realitätswandel in der Region ankündigt«, so Nabi Halabi, Spezialist für erneuerbare Energien, der in der drusischen Stadt Majdal Shams auf den Golanhöhen lebt.

Der Besuch der syrischen Staatsbürger in Israel wurde von Präsident Ahmed al-Sharaa genehmigt; während in der Zeit der Herrschaft von Baschar al-Assad das Überqueren der Grenze nach Israel schwere Strafen nach sich gezogen hätte. Dieses Verbot hielt viele Familien, darunter auch jene von Nabi Halabi, jahrzehntelang getrennt.

Doch nun sende das neue Regime in Syrien »Signale, eine gewisse Normalisierung anzustreben, und dieser historische Besuch ist Teil davon«, analysiert der 57-jährige Halabi. Auf geopolitischer Ebene »bedeutet dies, dass ein Wendepunkt näher rückt. Vor allem aber ist diese Neuorientierung für viele Familien ein bewegender Moment der Wiedervereinigung« auf persönlicher Ebene.

In Syrien »wird nicht mehr wie früher gefordert, dass Israel den Golan als Vorbedingung für den Frieden zurückgibt; das steht nicht mehr auf der Tagesordnung. Entweder hat Syrien die Realität akzeptiert, dass der Golan zu Israel gehört, oder es strebt eine symbolische Verpachtung an Israel für hundert Jahre oder eine ähnliche Regelung an. So oder so gibt dies Hoffnung für die Zukunft«, interpretierte Halabi die Entwicklung.

Zunehmende Integration

Die rund 20.000 Mitglieder zählende drusische Gemeinschaft auf den Golanhöhen fielen im Zuge des Sechstagekriegs von 1967 unter israelische Kontrolle. Seitdem ist ihre politische Identität von einem komplexen Balanceakt geprägt: Während die meisten die israelische Staatsbürgerschaft ablehnten und wegen der Befürchtung, Repressionen zu erleiden, würde der Golan an das Assad-Regime zurückfallen, Syrien die Treue hielten, bauten sie gleichzeitig intensive soziale und wirtschaftliche Beziehungen zur israelischen Gesellschaft auf. Vor allem die jüngeren Generationen haben sich zunehmend integriert, beherrschen Hebräisch und nehmen aktiv am Leben in Israel teil.

Ereignisse wie der Bürgerkrieg in Syrien und der Zusammenbruch des Assad-Regimes haben diesen Trend beschleunigt, sodass immer mehr Golan-Drusen die israelische Staatsbürgerschaft annehmen und eine doppelte Identität bekunden – kulturell sind sie Drusen und Syrer, im bürgerlichen Leben jedoch zunehmend Israelis.

Die etwa 150.000 Drusen im übrigen Israel sind vollständig integriert und weisen eine hohe Quote bei der Rekrutierung für Kampfeinheiten der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte auf. Sie pflegen enge familiäre und kulturelle Beziehungen zu den drusischen Gemeinden im Golan.

Die Kontrolle Israels über die Golanhöhen ist seit jeher eine Frage strategischer Notwendigkeit und diplomatischer Kontroversen gewesen. Die Knesset dehnte 1981 die israelische Souveränität auf das Gebiet aus, was international jedoch nicht akzeptiert wurde, bis die USA 2019 die Golanhöhen als Teil Israels anerkannten.

Jahrzehntelang befürchteten israelische Politiker, dass eventuelle Friedensverhandlungen die Rückgabe des Golans an Syrien zur Folge haben könnte, bis diese Möglichkeit durch den Bürgerkrieg in Syrien und den Aufstieg sunnitischer Islamisten im Land unwahrscheinlich wurde. Nach dem Zusammenbruch des Assad-Regimes eroberte Israel aus Sicherheitsgründen weitere Gebiete auf der syrischen Seite des Golans.

Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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