3,5 Millionen Menschen im Jemen von Hungersnot bedroht

„Die Vereinten Nationen haben vor einer gravierenden Hungersnot im Jemen gewarnt. Allerdings haben verschiedene internationale humanitäre Hilfsorganisationen darauf hingewiesen, dass es angesichts des begrenzten Zugangs schwer ist, zu einer präzisen Einschätzung der Lage zu kommen. ‚Es gibt zurzeit gar keine Studie, die belegen könnte, dass es im Jemen eine Hungersnot gibt. Es gibt keine Untersuchung, die beweisen könnte, dass es eine Hungersnot gibt, weil man sie schlicht nicht durchführen kann‘, so Caroline Seguin, eine Einsatzleiterin von Médecins Sans Frontières in der Region. ‚Es gibt im Jemen Nahrungsmittel. Auf den Märkten gibt es Lebensmittel. Das große Problem für die Bevölkerung ist die Inflation.‘

Das Welternährungsprogramm hatte Anfang der Woche erklärt, der eskalierende Bürgerkrieg im Land und die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage könnten 3,5 Millionen Menschen an den Rand einer Hungersnot bringen. Für die UNO liegt dann eine Hungersnot vor, wenn mindestens 20 Prozent der Haushalte mit einem extremen Nahrungsmangel konfrontiert sind, wenn pro 10.000 Menschen täglich mindestens zwei sterben und wenn mehr als 30 Prozent der Kinder, die jünger als fünf sind, an akuter Unterernährung erleiden. (…) Es wird davon ausgegangen, dass schätzungsweise acht Millionen Menschen im Jemen, und damit fast ein Drittel der Bevölkerung, kaum Zugang zu Nahrungsmitteln haben und daher vollständig von humanitären Hilfsleistungen abhängig sind.

Wie Suze van Meegen vom Norwegischen Flüchtlingsrat berichtet, ist der Zugang für humanitäre Organisationen im Laufe der letzten Monate infolge der Kämpfe um die Hafenstadt Hodeida wesentlich schwieriger geworden. Wegen der schwierigen Sicherheitslage hat das Reute Kreuz sich vor einigen Monaten teilweise zurückgezogen. Elf Freiwillige, die für das Rote Kreuz oder den Roten Halbmond tätig waren, seien seit dem Beginn des Konflikts im Jahr 2015 umgekommen, so Lorraine Marulanda, die beim Britischen Roten Kreuz für den Nahen Osten und Nordafrika verantwortlich ist. UNICEF setzte seine Finanzhilfen für den Jemen diesen Monat ebenfalls kurzzeitig aus, nachdem die Houthi im Norden des Landes die Organisation unter Druck gesetzt hatten. In den Städten habe sie in der letzten Zeit eine Zunahme des Bettelns und Hortens von Lebensmitteln gesehen, so van Meegen. Immer mehr Jemeniten diskutierten die Möglichkeit, das Land zu verlassen. Derartige Diskussionen habe sie zuvor nicht wahrgenommen. In abgelegeneren Gebieten sei die Lage wesentlich schlimmer. (…)

Falls offiziell erklärt werden sollte, dass es im Jemen eine Hungersnot gebe, würde dies dem politischen Ziel dienen, eine Lockerung der Zugangsbedingungen zu erwirken.“ (Amy Lieberman: „Despite famine risk, humanitarian access worsens in Yemen“)

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