Erweiterte Suche

Ein Drittel der im Gazastreifen getöteten Journalisten stand in Verbindung mit Terrorgruppen

Protestaktion in Washington für die während des Gazakriegs getöteten palästinischen Journalisten
Protestaktion in Washington für die während des Gazakriegs getöteten palästinischen Journalisten (© Imago Images / ZUMA Wire)

Der USA-Chef der Organisation Reporter ohne Grenzen räumte ein, unterschiedliche Maßstäbe für die während des Kriegs getöteten Journalisten aus dem Gazastreifen und Israel anzulegen.

Ein Drittel der palästinensischen Journalisten, die nach Angaben des Committee to Protect Journalists (CPJ) im Gaza-Krieg getötet wurden, war für terroristische Gruppen tätig, wie Lahav Harkov in der vergangenen Woche in einem Artikel für den Jewish Insider geschrieben hat. Die hohe Zahl der von Nichtregierungsorganisationen gemeldeten in Gaza getöteten Journalisten hat in Medien immer wieder für Schlagzeilen gesorgt, ohne dass die Zugehörigkeit vieler dieser Reporter zur Hamas und zum Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) erwähnt worden wäre.

Von den hundert palästinensischen Journalisten, die am 17. Mai auf der CPJ-Liste standen, arbeiteten dreiunddreißig für der Hamas nahestehende Medien wie Al-Aqsa Voice Radio, Al-Quds Al-Youm, Quds News Network und andere. Zwei weitere waren für die PIJ-Sender Kan’an und Mithaq Media Foundation tätig. Der von der Hamas betriebene Sender Al-Aqsa TV wurde im Jahr 2010 vom US-Finanzministerium als »Specially Designated Global Terrorist« eingestuft; dreizehn der vom CPJ aufgelisteten Personen waren bei diesem Sender beschäftigt.

Reporter ohne Grenzen (RSF) behauptet, 105 Journalisten seien im Gazastreifen getötet worden, von denen es aber nur 23 auflistet. Obwohl mehrere von ihnen für Medien von Terrororganisationen arbeiteten, ist diese Zugehörigkeit auf der RSF-Website nicht angegeben. Zu ihnen zählen der Direktor des Hamas-Propagandasenders Quds News, Hassouna Salim, der Direktor des hamasnahen Fernsehsenders Al-Aqsa TV, Mohamed Khalifeh, der leitender Fotograf des Fernsehsenders des Hamas-Bildungsministeriums, Abdallah Iyad Breis, und andere.

Ungereimtheiten bei Zählung

RSF berichtete, dass Yasser Mamdouh El-Fady getötet wurde, als er »über die Präsenz israelischer Panzer in der Nähe des Al-Nasser-Krankenhauses in Khan Younis berichtete«. Unerwähnt bleibt seine Tätigkeit für die Nachrichtenagentur Kan’an des Palästinensischen Islamischen Dschihads, über die das CPJ in seiner Liste berichtet.

Laut CPJ wurde Ibrahim Mohammad Lafi am Grenzübergang Erez erschossen, während RSF angab, er sei »einer der ersten Reporter gewesen, die sich am Morgen des 7. Oktober im Gazastreifen hinauswagten«. Andere Gaza-Fotografen, die den Angriff der Hamas auf israelische Zivilisten am 7. Oktober dokumentierten, wurden beschuldigt, von dem Angriff Kenntnis gehabt zu haben.

Das CJP erklärte, es hätte nur Journalisten berücksichtigt, »die im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet wurden oder bei denen noch Zweifel bestehen, dass ihr Tod mit ihrer Arbeit zusammenhing«, so das CPJ. Auch die RSF erklärte gegenüber Harkov, nur Journalisten aufzuführen, die »in Ausübung ihrer Pflicht oder aus Gründen, die mit ihrer Arbeit zusammenhängen«, getötet wurden.

Deswegen hat das CPJ die israelischen Journalisten Shai Regev und Ayelet Arnin von seiner Liste gestrichen, weil sie zwar am Nova-Festival teilgenommen hatten, dies aber privat und nicht in ihrer Rolle als Berichterstatter. RSF wiederum nahm den israelische Zeitung Haaretz schreibenden Oded Lifshitz nicht in seine Liste auf, der seit dem 7. Oktober von der Hamas in Gaza als Geisel festgehalten wird. Aufgelistet wurde hingegen Roee Idan, der am Morgen des 7. Oktobers für Ynet fotografierte, bevor er von der Hamas getötet wurde.

Eine Überprüfung der Listen zeigt jedoch, dass der Standard, nur Journalisten zu berücksichtigen, die im Dienst waren, nicht konsequent angewendet wurde.

So wurde zum Beispiel Shaima El-Gazzar »gemeinsam mit ihren Familienmitgliedern bei einem israelischen Luftangriff auf Rafah getötet«, so das CPJ, das keinen Hinweis darauf gab, dass sie zu diesem Zeitpunkt im Dienst war. Ebenfalls auf der CPJ-Liste stehen Mohamed Mouin Ayyash, der »bei einem israelischen Luftangriff auf sein Haus getötet wurde«, und Jamal Mohamed Haniyeh, Enkel des Hamas-Führers Ismail Haniyeh und Sportreporter. RSF wiederum listet Montaser Al-Sawaf auf, der »durch einen israelischen Luftangriff getötet wurde, als er mit seinen Verwandten vor seinem Haus stand«.

Harkov zitierte eine CJP-Sprecherin, die erklärte, ihre Organisation führe jene Personen nicht auf, »bei denen es Schwierigkeiten bei der Bestätigung gibt, ob es sich bei ihnen um aktive Journalisten handelt oder nicht. In Anbetracht der Zerstörung von Redaktionen und der Realität eines Kriegs, von dem die gesamte Bevölkerung betroffen ist, wird jedoch davon ausgegangen, dass die Journalisten an der Berichterstattung beteiligt waren, es sei denn, das CPJ findet gegenteilige Informationen und ist in der Lage, diese zu bestätigen, wie es bei den beiden israelischen Journalisten der Fall war, die von unserer Liste der Journalistenopfer gestrichen wurden.«

Auf konkreten Beispielen für Ungereimtheiten in ihrer Erfassung angesprochen, sagte die CPJ-Sprecherin, ihr Organisation beziehe Journalisten »standardmäßig ein, bis wir eindeutige Informationen erhalten, dass sie nicht gearbeitet haben«.

Unterscheidliche Standards

Der Exekutivdirektor von Reporter ohne Grenzen USA, Clayton Weimers, sagte zum Standard für die Streichung israelischer Journalisten, die am 7. Oktober nicht aktiv im Dienst waren: »Das sind natürlich heikle Unterscheidungen, aber wir nehmen alle diese Fälle ernst und tun alles, was wir können, um unsere Informationen zu überprüfen.«

In einem Eingeständnis unterschiedlicher Standards zwischen Israelis und Gazanern sagte Weimers gegenüber Harkov, dass die Reporter in Gaza »im Territorium gefangen sind, in einem breiteren Kontext, in dem die Presse ins Visier genommen wird«. Er mache, sie Weimers weiter, »die berechtigte Annahme, dass viele [Gazaner] von ihren Häusern aus arbeiten könnten«.

Weimers bezeichnete den Krieg in Gaza als den „bei Weitem tödlichsten Konflikt für die Medien, den wir je dokumentiert haben«. RSF habe, erklärte er weiter, die zweiundzwanzig aufgelisteten Fälle »unter Anwendung unserer Standardmethodik« verifiziert und sei überzeugt, dass sie »wegen ihrer Arbeit getötet wurden. Es ist äußerst gefährlich, Journalismus und Terrorismus in diesem oder jedem anderen Zusammenhang in einen Topf zu werfen und wir verurteilen diesbezügliche Äußerungen israelischer Beamter.«

Auf die Frage nach der Aufnahme von mit terroristischen Gruppen verbundenen Organisationen in seine Liste erklärte das CPJ, seine Recherchen umfassen alle Journalisten, die »für ein breites Spektrum von Nachrichtenorganisationen tätig sind. Wir treffen unsere Entscheidung, indem wir untersuchen, ob die frühere Berichterstattung eines Journalisten unseren Kriterien für Nachrichten und öffentliche Angelegenheiten entspricht und nicht danach, wer die Eigentümer oder die Kontrolle über ihre Medien sind. Wir nehmen Journalisten nicht auf, wenn es Beweise dafür gibt, dass sie zum Zeitpunkt ihres Todes an Gewalttaten beteiligt waren oder in einer militärischen Funktion dienten. In den Fällen, die wir dokumentiert haben, haben mehrere Quellen bis heute keine Beweise dafür gefunden, dass diese Journalisten in militante Aktivitäten verwickelt waren.«

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren sowie ein Editorial des Herausgebers.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren

Wir sprechen Tachles!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie einen unabhängigen Blickzu den Geschehnissen im Nahen Osten.
Bonus: Wöchentliches Editorial unseres Herausgebers!

Nur einmal wöchentlich. Versprochen!