Zweierlei Arten von Terroropfern: Leugnung antisemitischer Gewalt im Standard

Gibt es zweierlei Arten von Terroropfern?“, fragt Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), in einer Presseaussendung, nachdem der bislang blutigste Tag der aktuellen palästinensischen Terrorwelle gegen israelische Juden hierzulande mit eisigem Schweigen quittiert wird. Blickt man in österreichische Tageszeitungen, so muss man Deutschs Frage eindeutig bejahen: Fünf Menschen wurden an nur einem Tag von palästinensischen Terroristen ermordet, aber in den heutigen Ausgaben der Presse, des Kurier, der Kleinen Zeitung und der Kronen Zeitung wurden die Attacken mit keinem einzigen Wort erwähnt. Im Standard fand sich zwar eine Kurzmeldung über die Terrorangriffe in Israel, dafür stellte Frankreich-Korrespondent Stefan Brändle erneut unter Beweis, dass für ihn bei Gewalt gegen Juden offenbar andere Regeln gelten. Zählte er Juden unlängst schon nicht zu den „unbescholtenen Pariser Bürger(n)“, so schrieb er jetzt: „Neben den Terroranschlägen selbst zeugen einige Vorfälle von den auch sozialpolitischen Spannungen im Land. In Marseille wurde ein jüdischer Lehrer am Mittwochabend von drei Unbekannten mit Messern angegriffen und verletzt. Einer der Täter zeigte ein T-Shirt der Terrormiliz IS.“ Wenn islamistische Anhänger des IS einen Juden attackieren, weil er Jude ist, stellt das für Brändle keine antisemitische Terrorattacke dar, sondern er verharmlost das auf skandalöse Weise als Ausdruck von „sozialpolitischen Spannungen“. Gibt es also zweierlei Arten von Terroropfern? Für Brändle ist die Antwort offenkundig: Für Juden gelten andere Maßstäbe – ist das etwas anderes als Antisemitismus?


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