Muslime zerstören das historische Erbe von Mekka

MekkaVon den fünfzehn alten Vierteln Mekkas sind heute dreizehn komplett zerstört. Mehr als 95 Prozent der historischen Stätten mussten modernen Bauten wie Hotels oder Parkplätzen weichen. Saudiarabien sagt, es wolle garantieren, dass möglichst jeder Muslim einmal im Leben den Hajj, die Pilgerfahrt, ausüben könne. Unfälle sind nicht selten. Vergangenen September kamen bei einer Massenpanik mindestens 1470 Pilger ums Leben. Derzeit dürfen in der jährlichen Pilgersaison etwa 1,5 Millionen Gläubige den Hajj absolvieren, mit Prozentanteilen nach Nationalität. Ist die Erweiterung der Großen Moschee fertig gebaut, wird sie zwei Millionen Betende aufnehmen können. (…)

Die Wahhabiten sind gegen die Verehrung von Gräbern oder historischen Plätzen. Sie richten sich ähnlich den frühen Protestanten einzig am Wort der Überlieferung aus. Die Verehrung von Heiligen und Gräbern anderer Spielarten des Islams halten sie für Ketzerei. Reaktionäre Geistliche waren es, die nicht wollten, dass das mutmaßliche frühere Wohnhaus des Propheten Mohammed erhalten bleibt – weil sie fürchteten, dass es zu einem Schrein werden könnte. Es wurde dem Erdboden gleichgemacht. Jetzt steht an dem Ort ausgerechnet eine öffentliche Toilette. (…)

Im Gespräch mit Saudi aus Mekka kommt oft die Vergangenheit zur Sprache: eine Zeit, in der die Familien Mekkas Pilger in ihren Häusern unterbrachten, ehe es Luxushotels und Package Deals gab, eine Vergangenheit, wo in der Großen Moschee Gelehrte verschiedener Rechtsschulen debattierten, auch Schiiten. Heute sind nur noch wahhabitische Prediger in der Moschee anzutreffen, und sie stammen, wie ein Gesprächspartner mit ungehaltener Handbewegung sagt, ‚alle aus Qasim‘; Qasim gilt als konservativste Region Saudiarabiens, das Herz des Najd, der Stammlanden der Königsfamilie. Viele radikale Prediger stammen von dort.

(Monika Bollinger: „Pilgerfahrt unter Wolkenkratzern“)

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