Wofür die Führung der israelischen Opposition steht

Avi Gabbay, Amir Peretz

„Dem Anschein nach könnten der Sieger Avi Gabbay und der zweitplatzierte Amir Peretz unterschiedlicher kaum sein. Peretz ist ein altgedienter, weit links stehender Aktivist, der schon früh zu den Anführern der Peace Now-Bewegung gehörte und sich bereits für einen palästinensischen Staat einsetzte, als die meisten Israelis die Idee noch rundweg ablehnten. Gabbay ist moderat, unterstützte einst die mitterechts Likud-Partei Benjamin Netanjahus und gehörte zu den Mitbegründern der zentristischen Kulanu-Partei. Doch als sie vor der Stichwahl am Montag fünf Fragen von Haaretz (auf Hebräisch) beantworteten, waren ihre Positionen kaum zu unterscheiden (eine englische Zusammenfassung findet sich hier).

Einen einseitigen Rückzug aus Teilen des Westjordanlands beispielsweise lehnten beide Männer ab. ‚Ich halte nichts von einem einseitigen Rückzug’, sagte Gabbay ohne Umschweife. Peretz’ Antwort war ausführlicher, aber ebenso deutlich. ‚Wir werden die Gebiete nicht weiter besiedeln, aber zugleich dürfen wir die Lehren aus den einseitigen Rückzügen aus dem Libanon und dem Gazastreifen (wie auch aus anderen Konflikten weltweit) nicht vergessen’, erklärte er. (…) Die Kandidaten sind offenbar zu dem Schluss gelangt, dass selbst linke Israelis den Behauptungen der ‚Experten’-Aktivisten nicht mehr trauen, die stets behaupten, ein einseitiger Rückzug würde die Sicherheit Israels nicht gefährden.

Zudem versprachen beide Kandidaten, den Siedlungsbau einzufrieren – aber nur außerhalb der größeren Siedlungsblöcke. Dies entspricht einer scharfen Zurückweisung der Linie, mit der die Obama-Administration acht Jahre lang hausieren ging: dass der Siedlungsbau jenseits der Waffenstillstandslinien von 1949, selbst in den Gebieten ein Friedenshindernis darstellten, von denen jeder weiß, dass sie bei einer Friedensvereinbarung israelisch bleiben würden. Es stellt sich heraus, dass sogar linke Israelis es für absurd halten, in den Siedlungszentren und den großen jüdischen Nachbarschaften in Ostjerusalem nicht weiterzubauen. Sie akzeptieren einfach nicht, dass die Bautätigkeit in diesen Gebieten, die eindeutig israelisch bleiben werden, einen legitimen Grund für die anhaltende Weigerung der Palästinenser darstellt, mit Israel zu verhandeln. (…)

Es zeigt sich also, dass selbst die Mehrheit der Wähler links der Mitte viele der von linken Journalisten und Aktivisten propagierten Ideen rundweg ablehnen. All jene Ausländer, die ihre Informationen in erster Linie aus diesen Quellen beziehen, sollten dies zur Kenntnis nehmen.“ (Evelyn Gordon: „What the Labor Party Primary Says about Israel’s Consensus“)

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