Wochenbericht, 3.8. bis 9.8.2015

In dieser Ausgabe:

I. Allgemeiner Überblick
II. Alles beim Alten: Terror gegen Israel, null Interesse bei Medien
III. Anti-israelischer Terror und ein „Gefühl der Schande“

I. Allgemeiner Überblick

In den vergangenen sieben Tagen erschienen in den von MENA systematisch ausgewerteten österreichischen Tageszeitungen 352 Beiträge (zuletzt: 367) mit Bezugnahmen auf den Nahen Osten und Nordafrika:

Folgende Länder standen im Fokus der Berichterstattung:

In den insgesamt 114 relevanten Beiträgen (zuletzt: 132) der wichtigsten Radio- und Fernsehnachrichtensendungen des ORF wurde auf folgende Länder am häufigsten Bezug genommen:

II. Alles beim Alten: Terror gegen Israel, null Interesse bei Medien

Der Brandanschlag mutmaßlicher israelischer Attentäter auf zwei Häuser im palästinensischen Dorf Duma nahe Nablus im Westjordanland am 31. Juli hat ein zweites Todesopfer gefordert. Nach dem bereits bei der Attacke getöteten 18 Monate alten Ali Saad Dawabsha erlag der Familienvater in einem israelischen Krankenhaus seinen schweren Brandverletzungen. (ZiB 13, 8. Aug. 2015; Kronen Zeitung, 9. Aug. 2015)

Die große Aufmerksamkeit, die österreichische Medien dem Terroranschlag von Duma entgegenbrachten, war deutlicher Ausdruck der verschiedenen Maßstäbe, die in der Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt Anwendung finden: Dem alltäglichen palästinensischen Terrorismus gegen Israelis wird keinerlei Beachtung geschenkt, seltene Anschläge jüdischer Terroristen werden dagegen in allen Medien breit erörtert. Machen wir die Probe aufs Exempel und sehen uns an, was allein in der vergangenen Woche geschah.

Am Montag wurde eine 27-jährige Israelin verletzt, als ein palästinensischer Terrorist eine Brandbombe auf das Auto warf, mit dem sie in Nord-Jerusalem unterwegs war. Das Auto fing  Feuer und kollidierte mit einem anderen Wagen, der ebenfalls in Brand geriet. Bei dem Zusammenstoß wurden zwei weitere Israelis verletzt.

Am Donnerstag fuhr ein Palästinenser im Westjordanland mit seinem Auto in eine am Straßenrand stehende Gruppe israelischer Soldaten. Drei wurden verletzt, zwei davon trugen schwere Kopf- und Brustverletzungen davon und befanden sich in kritischem Zustand. Sicherheitskräften zufolge habe der Attentäter die Israelis zuerst passiert, dann aber kehrt gemacht und die Gruppe gerammt. (An derselben Kreuzung waren im vergangenen April zwei israelische Soldaten von einem palästinensischen Terroristen mit Messerstichen attackiert worden.) Die islamistischen Terrorgruppen Hamas und Islamischer Dschihad bejubelten den Anschlag. In einem Statement der Hamas wurde von Bewohnern des Westjordanlandes gefordert, weitere solche Angriffe zu unternehmen, „um der Besatzung eine Lektion zu erteilen.“

Ebenfalls am Donnerstag feuerten palästinensische Terroristen vom Gazastreifen aus zwei Raketen auf Israel ab, die allerdings beide noch im Gazastreifen einschlugen. Am Freitag wurde Israel erneut mit einer Rakete beschossen, die glückerweise aber in unbewohntem Gebiet niederging.

Einer APA-Meldung zufolge kam es darüber hinaus am Donnerstag im Gazastreifen zu einer Explosion, bei der „vier Angehörige einer palästinensischen Familie“ ums Leben kamen und 30 weitere Menschen verletzt wurden. „Sicherheitskreisen in Rafah zufolge“, so war in der APA-Meldung zu lesen, „kam es zur Explosion, als Trümmer aus dem Gaza-Krieg vom Sommer 2014 beseitigt werden sollten.“ (APA, 6. Aug. 2015) Wen anhand dieser Meldung ein seltsames Gefühl beschlich, dürfte die kurz darauf folgende APA-Aussendung nicht sonderlich überrascht haben, in der erneut über die offenbar verheerende Explosion berichtet wurde:

„Unklar blieb zunächst, ob es sich wie in mehreren ähnlichen Fällen um einen Unfall handelte, der bei dem Bau von Sprengköpfen für gegen Israel gerichtete Raketen passierte. Darauf deutete allerdings eine kurz darauf veröffentlichte Erklärung der Ezzedin-al-Kassam-Brigaden hin, des militärischen Arm der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas. Die Brigaden betrauern dort den Tod ihres Mitglieds Abdelrahman Abu Nakira, der ‚bei einer versehentlichen Explosion den Märtyrertod starb‘.“ (APA, 6. Aug. 2015)

Der zuvor kolportierte Versuch, „Trümmer aus dem Gaza-Krieg zu beseitigen“, entpuppte sich somit als Unfall bei der Vorbereitung von Terrorangriffen auf Israel.

Am Sonntagabend wurde ein Israeli bei einer Tankstelle an einer Autostraße nahe Jerusalem von einem palästinensischen Terroristen mit einem Messer attackiert. Der Attentäter hatte sich zuvor einige Zeit nach geeigneten Opfern umgesehen, um sodann unter „Allahu akbar“-Rufen fünf Mal auf den davonlaufenden 26-jährigen Israeli einzustechen. Die APA-Meldung über den Angriff lautete: „Israelische Armee erschießt mit Messer bewaffneten Palästinenser“; darauf folgte der Untertitel: „Innmitten der Spannungen nach Tod von Kleinkind bei Brandanschlag“. (APA, 7. Aug. 2015) Dass der Mann einen Israeli attackiert hatte, bevor er angeschossen wurde, ging aus den Überschriften nicht hervor, sondern erschloss sich erst aus dem folgenden Text, in dem übrigens das Wort „Terror“ nicht vorkam. Nachrichtenwert hatte aus Sicht der APA jedenfalls primär nicht etwa, dass ein Palästinenser „inmitten der Spannungen“ nach dem Anschlag von Duma versucht hatte, einen Israeli zu ermorden, sondern vielmehr der Umstand, dass er gehindert werden konnte, seine Tat auch zu Ende zu bringen.

Während auf den schnelllebigen Internetseiten österreichischer Medien zwar vereinzelt APA-Meldungen über diese Geschehnisse gepostet wurden, war in den Druckausgaben österreichischer Zeitungen sowie in den Radio- und Fernsehnachrichtensendungen des ORF weder von den palästinensischen Terrorangriffen auf Israelis mit einem einzigen Wort die Rede, noch wurden die Raketenangriffe auf Israel oder der Vorfall im Gazastreifen erwähnt, bei dem sich ein Hamas-Terrorist versehentlich selbst in die Luft sprengte, dabei vier Angehörige einer Familie mit in den Tod riss und dreißig weitere Menschen verletzte.

Mit Händen ist zu greifen, wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Wäre für den schrecklichen Zwischenfall im Gazastreifen ein israelischer Militärangriff als Reaktion auf Raketenbeschuss verantwortlich gewesen, hätte es mit Sicherheit einen internationalen Aufschrei gegeben; die Vereinten Nationen, die USA, die EU und sogenannte Menschenrechtsorganisationen – die bezeichnender Weise in aller Regel stumm bleiben, wenn es um das Menschenrecht von Israelis geht, nicht von Terroristen ermordet zu werden – hätten lauthals ihr Entsetzen über das schreckliche Blutbad zum Ausdruck gebracht; Mahmoud Abbas hätte mit Sicherheit sogleich den Internationalen Strafgerichtshof mit dem ‚israelischen Kriegsverbrechen‘ betrauen wollen, während die Hamas den Vorfall als Vorwand benutzt hätte, um ein weiteres Mal zum uneingeschränkten Terror gegen den jüdischen Staat aufzurufen. So aber, da die Dutzenden Verletzten und vier Toten nicht auf Israels Kappe gingen, herrschte großes Schweigen.

Der Vergleich des Umgangs der Medien mit dem alltäglichen palästinensischen Terror einerseits, und den wenigen von Israelis begangenen Terrorakten andererseits, könnte eindeutiger kaum ausfallen: getötete Palästinenser haben ausschließlich dann Nachrichtenwert, wenn Israelis verantwortlich gemacht werden können. Dann läuft die Medienmaschinerie auf Hochtouren, um, wie Daniel Grynglass erläutert, ein hochgradig verzerrtes Narrativ zu bedienen:

„Jews are the killers, Palestinian Arabs are the victims. The world media practically welcomes this kind of news. It rarely happens, but when it does, the media gets euphoric. Here it is – proof that Jewish settler violence is never-ending, that it is the biggest problem in the Middle East, etc. The false narrative of Jewish violence finally has some ‚proof‘. These extremely rare cases are peddled as the rule, as the systemic problem. It is a slanderous fallacy. Arabs keep attacking Jewish civilians – constantly, repeatedly, systematically.“

 

III. Anti-israelischer Terror und ein „Gefühl der Schande“

Nur in Ausnahmefällen dringen Berichte durch, die diese hochgradig verzerrte Sichtweise durchbrechen. So etwa ein Beitrag Gil Yarons in den Salzburger Nachrichten, in dem ein Sommercamp in Israel beschrieben wurde, bei dem israelischen Jugendlichen und ihren palästinensischen Altersgenossen aus dem Westjordanland Koexistenz und Frieden vermittelt werden sollte. Yarons folgende Ausführungen sollten nachdenklich machen:

„Diese Zeilen durften erst erscheinen, seit alles vorbei ist, um Extremisten kein Ziel zu bieten. Im Gazastreifen beendeten zum selben Zeitpunkt tausende Kinder ein Terrorsommerlager der Hamas. Stolz zeigten sie, wie sie zu hassen und zu töten lernten. Die Palästinenser, die zur selben Zeit [im Friedenscamp in Israel, Anm. MENA] das Lieben übten, dürfen indes nicht identifiziert werden. Das Risiko wäre für sie zu groß.“ (Salzburger Nachrichten, 10. Aug. 2015)

Yaron führte nicht aus, worin das „Risiko“ besteht, aber wer sich nüchtern mit den gesellschaftlichen Realitäten im Gazastreifen und im Westjordanland auseinandersetzt, für den stellen die Gründe für das Risiko kein Geheimnis dar: Von einer Vorbereitung auf oder gar einer Erziehung zum Frieden kann weder unter der Herrschaft der Hamas, noch unter der Regierung der vermeintlich ‚morderaten‘ Fatah die Rede sein. Nach dem tödlichen Anschlag von Duma führte Bassam Tawil in einem eindrucksvollen Beitrag aus, worin „(d)er Unterschied zwischen uns und ihnen“ besteht:

„Die einhellige israelische Verurteilung dieses Verbrechens hat mich und andere Palästinenser beschämt und verlegen gemacht – denn das ist nicht die Art, wie wir Palästinenser auf Terroranschläge auf Juden reagieren, selbst bei den abscheulichen Morden an jüdischen Kindern nicht.“

Angesichts der palästinensischen Reaktion auf Terror gegen Israel überkomme Tawil „ein Gefühl der Schande“. Während der Mord an dem 18 Monate alten Kind von der israelischen Führung verurteilt worden sei, „verurteilen unsere Führer Terroranschläge auf Juden nur selten. Und wenn einmal ein palästinensischer Führer wie Mahmoud Abbas eine solche Verurteilung herausgibt, dann ist sie oft vage und mehrdeutig“ – und manchmal, wie nach dem Massaker in der Synagoge von Har Nof im November vergangenen Jahres, nur auf äußeren Druck.

„Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Abbas oder irgendein anderer palästinensischer Führer jemals Entsetzen und Wut darüber geäußert hätte, dass ein Jude bei einem palästinensischen Terroranschlag getötet wurde – oder daran, wann das letzte Mal war, dass ein palästinensischer Amtsträger die Familie eines israelischen Opfers eines palästinensischen Terroranschlags besucht hätte.“

In Israel wurde nach dem Attentat von Duma gegen den Terror demonstriert, in den unter palästinensischer Kontrolle stehenden Gebieten warte man vergeblich auf eine derartige Reaktion:

„Hat man jemals davon gehört, dass es auf der palästinensischen Seite nach einem der Male, wo Terroristen unschuldige jüdische Zivilisten getötet hatten, eine ähnliche Demonstration gegeben hätte? Gibt es auch nur einen hochrangigen palästinensischen Funktionär oder eine prominente Persönlichkeit, der bzw. die es wagt, sich öffentlich gegen die Ermordung von Juden auszusprechen, bei einer Demonstration im Zentrum von Ramallah oder Gaza-Stadt? Gab es jemals einen palästinensischen Aktivisten, der es gewagt hätte, in einer palästinensischen Stadt eine Demonstration zur Verurteilung eines Selbstmordbombenanschlags oder des Mords an einer ganzen jüdischen Familie zu veranstalten? Während Israelis demonstrieren, um die Terroranschläge gegen unser Volk zu verurteilen, feiern wir die Tötung von Juden.“

Tawil bitteres Urteil:

„Wir haben es versäumt, unser Volk nach den Prinzipien der Toleranz und des Friedens zu erziehen. Stattdessen billigen wir Terrorismus und spenden ihm Beifall, vor allem, wenn er sich gegen Juden richtet. Dass die Welt Terrorismus verurteilt, wollen wir nur dann, wenn seine Opfer Palästinenser sind.“


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login