„Wir sind stolz auf Dich, Du hast Juden getötet!“

Von Bassam Tawil
Artikel zuerst erschienen bei Gatestone Intstitute

shoot-victim_jerusalemDie Familie von Musbah Abu Sbeih sagt, dass sie „sehr stolz“ ist auf das, was ihr 40-jähriger Sohn getan hat. Und genau so sind es viele Palästinenser, die alle Lebensbereiche der palästinensischen Gesellschaft repräsentieren. Mitglieder seiner Familie, einschließlich seiner Eltern und seiner Tochter, sind in unzähligen Fernsehsendern aufgetreten, um Abu Sbeih zu loben. Sie sind sogar auf die Straße gegangen, um Süßigkeiten zu verteilen im Jubel über den Terroranschlag, den er [am 9. Oktober] in Jerusalem verübt hat, und der zum Tod einer 60-jährigen Großmutter und eines 29-jährigen Polizeibeamten führte.

Abu Sbeih ist jetzt der jüngste „Held“ vieler Palästinenser und nicht nur seiner Familie. Er wird als „mutiger“ Mann und „Held“ gefeiert, weil er morgens aufwachte, ein M-16 Sturmgewehr packte und sich aufmachte, so viele Juden wie möglich zu töten. Seine Mission war „erfolgreich“: Er schaffte es, zwei Juden zu erschießen und zu töten, bevor er selbst von Polizisten eliminiert wurde. In einem Bekennervideo behauptete Abu Sbeih, dass er den Terroranschlag als Reaktion auf Besuche des Tempelbergs durch Juden durchgeführt habe. Er behauptete (fälschlicherweise), dass diese Besuche Teil eines israelischen Plans seien, die Al-Aqsa-Moschee am Tempelberg zu zerstören. Der Ordnung halber sei festgehalten: Das ist eine Lüge – genauso wie palästinensische Behauptungen, dass Israel Brunnen und Wasser vergifte, die der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde (PA) Mahmoud Abbas später aus Mangel an Beweisen zurückzuziehen gezwungen war.

Wie viele andere Palästinenser, die im Laufe des vergangenen Jahres Terrorangriffe verübten, oder es versucht haben, führte Abu Sbeih tatsächlich nur den Aufruf seiner Führer aus, die Juden daran zu hindern, „die Al-Aqsa-Moschee mit ihren schmutzigen Füßen zu entweihen“ . Diese Anrufe kommen seit Monaten nicht nur von Hamas und islamischen Dschihad-Extremisten, sondern auch von „gemäßigten“ Führern wie Mahmud Abbas und seiner Fatah-Fraktion. Dabei handelt es sich um diejenigen palästinensischen Führer, die die europäischen Politiker so sehr zu verehren scheinen. Diese Politiker in Europa, vor allem die Franzosen, verlangen von Israel andauernd, mit Gruppen zu verhandeln, die offen sagen, dass sie überhaupt kein Israel wollen, und die bestenfalls nicht interessiert an der Wahrheit sind – ob nun über Israelis oder über Palästinenser.

Diese europäischen Politiker möchten, dass Israel vorgibt, dass die Leute, mit denen sie verhandeln, tatsächlich nach Treu und Glauben handeln. Sie scheinen den Arabern, Muslimen und der „Organisation der islamischen Zusammenarbeit“ (OIC) die Zerstörung Israels anzubieten – physisch, diplomatisch, wirtschaftlich, was auch immer sie bekommen können: höchstwahrscheinlich als Bestechung, um die Muslime davon abzuhalten, sie selbst zu terrorisieren. Sie werden jedoch bald feststellen, dass nichts, was sie anbieten, als angemessen angesehen wird. Die Europäer werden bald herausfinden, wie es die Perser, Türken, Griechen, Nordafrikaner und Osteuropäer alle getan haben, dass alles, was weniger als Unterwerfung ist, nur als Anzahlung auf eine weit größere Forderung eingesackt wird. Diese europäischen Vertreter sind zufrieden, wenn sie uns in der Region – Muslime, Christen und Juden – unter einer brutalen islamischen Diktatur leben lassen können, solange – in ihrer verschwommenen Fantasie – sie selbst nicht so leben müssen. Sie sollten sich auf einen Schock einstellen.

Wie auch immer, im September 2015 benutzte Abbas exakt die Worte von Haj Amin al-Husseini aus dem Jahre 1924, bevor Tage darauf die aktuelle Welle der Angriffe mit Messern, Autos und Schusswaffen begann. Seitdem fördert die Aufwiegelung wegen der Besuche von Juden auf dem Tempelberg das, was viele Palästinenser die „Al-Quds-Intifada“ nennen. Abbas hat versprochen, dass diejenigen, die bei der Verteidigung der Al-Aqsa-Moschee sterben, direkt in den Himmel aufsteigen werden:

„Wir segnen jeden Tropfen Blut, der für Jerusalem verschüttet worden ist, das sauberes und reines Blut ist, Blut vergossen für Allah, so Allah will. Jeder Märtyrer wird das Paradies erreichen und alle Verwundeten werden von Allah belohnt.“

Zur Wiederholung: Abbas hat diese Aussage gemacht, zwei Wochen bevor die Palästinenser eine neue Welle von Anti-Israel-Terrorismus entfesselten. Wir wissen also, was diese Angriffe ausgelöst hat. Sie sind das direkte Ergebnis der laufenden Indoktrination und Aufstachelung gegen Israel, die von Palästinensern geführt wird, die fast alle palästinensischen Institutionen und Parteien im Westjordanland und im Gaza-Streifen mittragen. Abbas‘ Worte sind offenbar nicht auf taube Ohren gestoßen. Der Terrorangriff [vom 9. Oktober], der von Abu Sbeih durchgeführt wurde, zeigt, dass die „Al-Quds Intifada“ noch lange nicht abebbt. Im Gegenteil, es gibt erhöhte Angst, dass die Terrorkampagne eskalieren könnte – von der Benutzung von Messern, Fahrzeugen und Steinen zu der von Pistolen und Gewehren.

 

Misbah Abu Sbeih (rechts) ist der jüngste „Held“ vieler Palästinenser, weil er diese Woche zwei Juden ermordet und somit gemäss der Aufhetzung durch den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas (links) agiert hat.

Warum ist dieses Szenario nicht weit hergeholt? Nicht nur wegen der Motivation der Angreifer, sondern auch wegen der weit verbreiteten öffentlichen Unterstützung der Palästinenser für einen Angriff auf Israelis. Kein einziger palästinensischer Beamter hat es gewagt, etwas gegen den Terrorangriff von Jerusalem zu sagen. Und kein Palästinenser hat es gewagt, den Schaden zu hinterfragen, den die Angriffe für die palästinensische Bevölkerung bedeuten, insbesondere für diejenigen, die direkt von israelischen Vergeltungsmaßnahmen, wie etwa Reisebeschränkungen, betroffen sind. Weit davon entfernt, gegen diese Schlachterei zu protestieren, haben viele Palästinenser Lob über den Angreifer gehäuft.

Abu Sbeih, der wegen seines ständigen Wohnsitzes in Jerusalem einen israelischen Personalausweis besaß und somit alle Rechte und Privilegien, die israelischen Staatsbürgern gewährt werden (mit Ausnahme des Stimmrechts bei allgemeinen Wahlen), stammte nicht aus einer verarmten Familie. Anders als seine Mitpalästinenser im Westjordanland und im Gaza-Streifen, hatte er freien Zugang zu Israel und konnte überall und jederzeit hingehen, wohin er wollte. Er und seine Familie waren in der Lage, morgens aufzuwachen und zum Strand von Tel Aviv zu fahren oder in jedem Restaurant in Israel zu essen, ohne durch israelische Checkpoints gehen zu müssen. Als Inhaber von israelischen Personalausweisen waren sie sogar berechtigt, Autos mit israelischen Nummernschildern zu fahren, was Abu Sbeih ausnützte, um seinen Angriff in Jerusalem auszuführen. Seine Familie besitzt mindestens zwei Häuser in der Stadt und gilt als der Mittelklasse zugehörig. Doch weder hielt dies Abu Sbeih von seiner tödlichen Mission ab, noch hat es seine Familienangehörigen daran gehindert, den Angriff zu feiern.

Die erste, die ihre „Freude“ über und ihren „Stolz“ auf den Tod von zwei Juden ausdrückte, war Abu Sbeihs 15-jährige Tochter Eman. „Gott sei gedankt. Wir sind sehr glücklich über und sehr stolz auf meinen Vater“, sagte sie in einem Interview mit einem lokalen palästinensischen Fernsehsender. Wie in früheren Fällen haben einige Palästinenser, darunter auch die Schwester von Abu Sbeih, Süßigkeiten an „Gratulanten“ verteilt, um ihre Freude über den Terrorangriff auszudrücken. Stunden nach dem Angriff versammelten sich Dutzende von Palästinensern außerhalb des Familienhauses und sangen Slogans, die den Angreifer als „Held“ lobten und die Hamas und andere palästinensische Gruppen aufforderten, ihre Angriffe gegen Israel zu verstärken. Solche Szenen sind vertraut in der palästinensischen Arena und erinnern an die, die nach der Welle von Selbstmordattentaten gegen Israelis während der Zweiten Intifada stattfanden.

Mehrere palästinensische Fraktionen lobten Abu Sbeih und forderten verstärkte „bewaffnete Operationen gegen den zionistischen Feind“. Der Hamas-Führer Khaled Mashaal, der zusammen mit seiner Familie im Komfort von Katar lebt, rief umgehend die Familie des Angreifers an und „gratulierte“ ihr zum „Martyrium“ ihres Sohnes. „Unser Volk und unsere Nation sind stolz auf das Heldentum und den Mut, der von Eurem Sohn gezeigt wurde, der sein Leben um Allahs Willen opferte“, sagte Mashaal Abu Sbeihs Eltern. Er betonte, dass ihr Sohn ein Vorbild sei für die Palästinenser seiner Generation. Dabei war nicht klar, ob der Hamas-Führer den Anruf von seiner Suite in einem von Katars Fünf-Sterne-Hotels oder von seinem privaten Fitnessstudio aus machte.

So ist also für die Hamas und viele andere Palästinenser ein Mann, der zwei Juden tötete, das gewünschte Vorbild für junge Palästinenser. Dementsprechend haben Abu Sbeihs Anhänger soziale Medien dazu genutzt, ihn zu loben und die Palästinenser aufzufordern, es ihm gleichzutun. Weil er es geschafft hat, zwei Juden zu töten, wird Abu Sbeih jetzt auf Twitter und Facebook als der „Löwe von Al-Aqsa“ gefeiert. Ihrer Ansicht war sein sein Versuch zu verhindern, dass die Moschee durch die „schmutzigen Füße“ der Juden „verunreinigt“ wird, eine edle Tat.

Unterstützung für Abu Sbeih scheint alle palästinensischen politischen Parteien zu vereinen. Auch viele Angehörige der Fatah-Fraktion von Präsident Abbas kamen zum Haus Abu Sbeihs in einem Akt der Solidarität mit dem Täter und seiner Familie. Die Fatah hat Abu Sbeih denn auch zum „Märtyrer“ erklärt. Ein Palästinenser, der sich mit einem Juden zusammensetzt, wird entschieden verurteilt und angeklagt, die „Normalisierung“ mit dem Feind zu suchen. Ein Palästinenser jedoch, der ein Messer oder ein Gewehr trägt und ausgeht, um Juden zu töten, erhält die Meriten eines „Märtyrers“ und gewinnt fast universelles palästinensisches Lob. Dies ist die gegenwärtige Einstellung in der palästinensischen Gesellschaft: die Frucht jahrzehntelanger palästinensischer Aufstachelung und Delegitimierung Israels. Dies ist das unvermeidliche Ergebnis – wie bei der spanischen Inquisition, dem Terreur der französischen Revolution, dem türkischen Völkermord der Armenier, dem Völkermord in Ruanda, Darfur oder Nazi-Deutschland – der Vergiftung eines Volkes.

Bassam Tawil lebt als Wissenschaftler und Journalist im Nahen Osten.

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