Wie wird es nach Salehs Tod im Jemen weitergehen?

Ali Abdullah Saleh und Abdulmalik al-Huthi

„Als der Arabische Frühling sich in der Region ausbreitete, begann [Salehs] Macht zu wanken. Die Demonstrationen gegen ihn wurden immer größer, nur knapp entging er einem Attentat, und 2012 erklärte er sich bereit, die Macht an seinen Stellvertreter Abd Rabbu-Mansour Hadi zu übergeben. Dabei wäre es wohl auch geblieben, wären da nicht die Huthis gewesen. Im September 2014 rückte die mit dem Iran verbündete Gruppe auf Sana’a vor und erlangte die Kontrolle über Teile der jemenitischen Hauptstadt. Im Februar 2015 gaben sie die Auflösung des Parlaments bekannt und beanspruchten die Herrschaft über das Land. Die Nachbarn des Jemens brachten sich rasch in Stellung. Saudi-Arabien und seine arabischen Verbündeten ergriffen Partei für Hadis Regierung, der Iran für seine schiitischen Brüder, die Huthis. Saleh schloss sich den Huthis an und seine Unterstützer kämpften Seite an Seite mit ihnen. Der vom Vizepräsidenten zum Präsidenten avancierte Hadi floh nach Saudi-Arabien. Der nachfolgende Konflikt hat mindestens 8000 Menschen das Leben gekostet und zur Vertreibung von 3 Millionen Menschen, zur Zerstörung der jemenitischen Infrastruktur und zu der weithin bekannten Hungersnot und Choleraepidemie geführt.

Der Bürgerkrieg schien sich genauso endlos hinzuziehen wie der stete Wechsel der Bündnisse. Am Samstag erschien Saleh im Fernsehen und erklärte, dass er sein Bündnis mit den Huthis politischer Differenzen wegen beende und einem Dialog mit der von den Saudis angeführten Koalition aufgeschlossen gegenüberstehe. Die Saudis begrüßten seine Erklärung. Salehs Streitkräfte schienen Sana’a eingenommen zu haben, doch in den anschließenden Kämpfen gab es mehr als 100 Tote und 200 Verletzte. Die Huthis, die Saleh eines ‚Putsches’ beschuldigten, bombardierten sein Haus und töteten ihn. In den sozialen Medien zirkulierten Bilder, die Saleh mit einer Kopfverletzung zu zeigen schienen. Huthi-Medien berichteten, der ehemalige jemenitische Präsident sei tot. Auch der saudische Sender Al Arabiya erklärte Saleh für tot. Die Tötung Salehs macht eine politische Lösung im Jemenkonflikt noch unwahrscheinlicher. Saudi-Arabien und seine Verbündeten einerseits und die Huthis und der Iran andererseits werden sich vermutlich nur umso verbissener in ihren jeweiligen Stellungen verschanzen. Die Hoffnung des Arabischen Frühlings ist in fast allen Ländern, in denen politische Veränderungen gefordert wurden, einem politischen Albtraum gewichen. Im Jemen dauert der schlimmste dieser Albträume fort.“ (Krishnadev Calamur: „Saleh’s Death in Yemen Sends a Message to Other Dictators“)

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