Wie Israelis die Siedlungen sehen

Israelis machen sich Sorgen, dass ein palästinensischer Staat von der radikal-islamistischen Hamas-Bewegung übernommen und ihre Bevölkerungszentren mit Raketen bedroht würden. Genau dies geschah 2005, als Israel seine 21 Siedlungen im Gazastreifen räumte und sich aus dem Gebiet zurückzog. Unterstützern der Siedlungen zufolge sind diese für die Sicherheit Israels von entscheidender Bedeutung. Sie verhindern es, dass Israel sich auf die Grenzen von vor 1967 und damit auf ein Gebiet zurückzieht, dass an seiner schmalsten Stelle kaum 15 km breit ist. Gegnern der Siedlungen zufolge stellen die Siedlungen eine tödliche Bedrohung Israels dar. Israel steht also vor dem Dilemma, entscheiden zu müssen, welche dieser Alternativen die größere existenzielle Gefahr darstellt. (…)

Obwohl die Siedlungen von der internationalen Gemeinschaft in der Regel als einheitliche Größe wahrgenommen werden, sieht die Debatte in Israel ganz anders aus. Israelis, die die Zweistaatenlösung unterstützen, unterscheiden zwischen zwei Siedlungstypen: jenen, die sich in sogenannten Siedlungsblöcken nahe an den Grenzen von vor 1967 befinden und wahrscheinlich bei einem abschließenden Abkommen bei Israel bleiben werden, und jene außerhalb dieser Blöcke, die Israel vermutlich im Rahmen eines Friedensabkommens wird räumen müssen.

Israels Festhalten an den grenznahen Blöcken würde einem territorial zusammenhängenden palästinensischen Staat nicht entgegenstehen, obwohl zumindest eine Siedlung, in der Israel das Herzstück eines künftigen Siedlungsblocks sieht Ariel — so weit innerhalb des Westjordanlands liegt, dass es diesen territoriale Zusammenhang bedrohen könnte. Verschiedene vorgeschlagene Pläne gehen davon aus, dass ein palästinensischer Staat für verlorenes Land mit Territorium innerhalb der israelischen Grenzen von vor 1967 kompensiert würde.

Je nachdem, wie man die Grenzen zieht, leben mehr als dreiviertel der Siedler in Blöcken, die im Rahmen einer Vereinbarung wahrscheinlich bei Israel blieben. (…)

Die vor kurzem durch eine amerikanische Enthaltung ermöglichte Resolution des UN-Sicherheitsrats, die jede israelische Bautätigkeit außerhalb der Grenzen von vor 1967 als illegal verurteilte, hat die israelische Öffentlichkeit empört. Diese Resolution, bemerken Israelis verbittert, erlaube keinerlei Unterscheidung zwischen einer Siedlung irgendwo auf einer weit abgelegenen Anhöhe im Westjordanland und beispielsweise dem historischen jüdischen Viertel in der Altstadt von Jerusalem, das Jordanien 1948 während des israelischen Unabhängigkeitskriegs zerstört hatte und Israel unmittelbar nach dem Sechstagekrieg wieder aufgebaut hat.

Ich lebe in der Ostjerusalemer Nachbarschaft French Hill. Meine Nachbarinnen und Nachbarn decken das Spektrum der öffentlichen Meinung in Israel ab; manche sind Friedensaktivisten gewesen. Noch nie habe ich jedoch einen meiner Nachbarn die Zugehörigkeit des French Hill zu Israel bezweifeln hören. In den letzten Jahren sind immer mehr arabische Israelis in die Nachbarschaft gezogen — ein weiteres Indiz für die unumkehrbare Absorption der Nachbarschaft in die israelische Gesellschaft. Doch für die UNO sind die Bewohner des French Hill, einschließlich der arabischen Israelis unter ihnen, ‚Siedler’.“ (Yossi Klein Halevi: „How Israelis See the Settlements“)

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