Bertelsmann-Studie zur Integration von Muslimen – ein dünnes Süppchen

„Kompliment nach Gütersloh. Wie man mit Studien in die Medien kommt, wissen die Damen und Herren von der Bertelsmann-Stiftung. Die meisten größeren Nachrichtenportale haben die Pressemitteilung zur jüngsten Studie ‚Muslime in Europa – integriert aber nicht akzeptiert?‘ mehr oder weniger unverändert samt Überschrift übernommen. Die zeugt von hoher PR-Professionalität: Sie vermittelt eine klare Botschaft, indem sie das zentrale Ergebnis schon mit einer impliziten Forderung verbindet. Da kommt kaum ein Journalist in Versuchung, sich die Studie genauer anzusehen und der Sache einen eigenen ‚Dreh‘ zu verleihen. Entsprechend durchschlagend der Erfolg. So professionell die Darbietung, so wacklig ist allerdings die Grundlage. Nur acht Fragen zum religiösen Glauben – allerdings nicht zu politischen Aspekten der Religion – und sieben zu anderen Themen wurden vor 2010 zugewanderten muslimischen Probanden in fünf europäischen Ländern gestellt. Die Studienergebnisse beziehen sich also fast ausschließlich auf Selbstzeugnisse. Und gerade die Fragen, auf denen das Fazit: ‚integriert‘ vor allem beruht, sind so gestellt, dass von vornherein kaum ein anderes Ergebnis denkbar wäre. Wer wird schon dem Interviewer auf die Frage ‚Wie verbunden fühlen Sie sich mit Deutschland?‘ offen ins Gesicht sagen: ‚Eher nicht!‘ Kein Wunder, dass das nur vier Prozent der Muslime in Deutschland tun. (…)

Im Grunde wird spätestens hier offenkundig, wie dünn das Süppchen ist, das man da in Gütersloh gekocht hat: Die Studie ist letztlich im Wesentlichen ein Zeugnis, dass sie die zu Benotenden sich selbst ausstellen. Und die Fragen, die ihnen gestellt werden, sind im Grunde nur Variationen der Frage: ‚Wie gut bist Du integriert?‘ Die Antworten auf solche Fragen sind wohl kaum ‚nachprüfbare Fakten‘, wie es die Autoren behaupten. Diskursbeiträge wie diese Bertelsmann-Studie tragen dazu bei, dass ‚Integration‘ immer mehr zu einem Wieselwort verkommt, einem Begriff, dem die Bedeutung ausgesaugt wird. Noch vor einigen Jahren verstand man unter Integration einen Prozess der kulturellen Angleichung von Einwanderern in der Aufnahmegesellschaft. Heute genügt es offenbar, einen Job und ‚Freizeitkontakte‘ mit Menschen anderer Religion zu haben, um als integriert zu gelten. Unter Einwanderern selbst ist ‚integriert‘ einfach ein Synonym dafür geworden, kein Versager, kein Loser zu sein. Vermutlich würde selbst eine in Duisburg-Marxloh durchgeführte Umfrage nur wenige eingewanderte Probanden  finden, die sich als ‚nicht integriert‘ offenbaren. Nach den bescheidenen Ansprüchen von Bertelsmann waren demnach wohl auch die Attentäter von Barcelona integriert.“ (Ferdinand Knauß: „Die Muslimen-Studie von Bertelsmann ist haltlos“)

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