Wenn der Iran Syrien übernimmt, ist ein Krieg mit Israel unvermeidbar

„Das von Präsident Hafez al-Assad und dann seinem Sohn Bashar geführte Syrien hatte nach dem Ende des Kalten Kriegs bis 2010 eine einzigartig flexible geopolitische Position in der arabischen Welt inne. Syrien war ein erklärter Feind Israels, verhandelte aber gleichzeitig direkt mit dem Land. Syrien bezeichnete sich als das schlagende Herz des arabischen Nationalismus, schloss sich aber der UNO-Koalition an, die den Irak 1991 aus Kuwait vertrieb. Die Vereinigten Staaten stuften Assads Regierung zwar als staatlichen Sponsor des Terrorismus ein, doch arbeiteten die syrischen Geheimdienste im Kampf gegen Al-Qaeda mit den amerikanischen zusammen. Mit dieser Flexibilität könnte es vorbei sein. Seit der Bürgerkrieg 2011 begann, hat sich die Regierung Bashar al-Assads auf den Iran und seine Stellvertreterorganisationen wie die libanesische Hisbollah verlassen, um ihre Macht zu erhalten. Zwar hat auch Russland eine wichtige Rolle gespielt, doch ist Teheran der entscheidende Unterstützer der syrischen Regierung gewesen. Ein Ende des Kriegs ist nun offenbar in Sicht und es sieht so aus, als würde der Iran der große Sieger sein und in Zukunft die syrische Außenpolitik kontrollieren. Die Konsequenzen könnten katastrophal sein. (…)

Die Trump-Administration scheint bislang geneigt, Syrien – von der Besiegung des Islamischen Staats abgesehen – Russland zu überlassen. Washington muss sich allerdings darüber klar werden, was es in Wirklichlkeit bedeuten würde, [Syrien] dem Iran zu überlassen. Moskau geht es um wenig mehr als darum, seine Militärstützpunkte in Syrien zu behalten. Ein Gegengewicht zum Iran wird es nicht bilden, wenn der Krieg erst vorbei ist.

Jahrzehntelang ist Syrien davon ausgegangen, dass die Vereinigten Staaten Israel als Gegenleistung für einen umfassenden arabisch-israelischen Frieden im Golan im Zaun und aus den inneren Angelegenheiten Syriens heraus halten sowie die Bahn für ausländische Investitionen ebnen würden. Doch sollten die Vereinigten Staaten kein Interesse mehr an Syrien haben und die Russen auch weiterhin unter Ausschluss der Politik nur ihre Sicherheitsinteressen verfolgen, dann wird der Iran zur dominanten Macht in Damaskus. In einem Vakuum wäre dies egal. Doch ist der Nahe Osten heute kein Vakuum. Israel wird eine iranische Kontrolle über Syrien nicht hinnehmen. Und Assad wird dies, nimmt man seine kürzlich gehaltene Rede [in der er eine Sicherheitszusammenarbeit mit dem Westen ausschloss; Anm. Mena Watch] ernst, nicht verhindern können. Dann ist ein syrisch-israelischer Krieg, bei dem es sich in Wirklichkeit um einen israelisch-iranischen Krieg handeln würde und der nicht auf Syrien begrenzt bliebe, unvermeidbar.“ (David W. Lesch: „Iran Is Taking Over Syria. Can Anyone Stop It?“)

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