Ein wegen fünffachen Mordes verurteilter Nelson Mandela?

„Eines Tages wird Mahmud Abbas, der Anfang 80 ist, als Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde abtreten, sei es, indem er ins Exil geht, sich zur Ruhe setzt, oder stirbt. Dann wird es zu einem Machtkampf um seine Nachfolge kommen. Ein möglicher Nachfolger ist Marwan Barghouti, ein Funktionär der PA, der im Moment wegen seiner Beteiligung an der Ermordung von fünf Israelis während der zweiten Intifada mehrere lebenslängliche Haftstrafen in einem israelischen Gefängnis absitzt. Im November 2014 rief Barghouti zum Aufstand gegen Israel auf, ein Aufruf, der, würde er befolgt, vermutlich zum Tod vieler Israelis und Palästinenser führen würde. Dennoch wird Barghouti regelmäßig als der ‚palästinensische Nelson Mandela’ beschrieben. Die Vorstellung, dass Barghouti – oder irgendeine andere palästinensische Führungspersönlichkeit – imstande sei, die Rolle Mandelas zu spielen, ist weit hergeholt, hat aber ihre Anhänger. Eine Anzahl europäischer Parlamentarier hat Barghouti beispielsweise für den Friedensnobelpreis nominiert. (…)

Das Problem dabei ist nur, dass Barghouti Angriffe auf Zivilisten befürwortet hat. Dass wissen wir, weil er selbst es explizit öffentlich zugegeben hat. Zudem hat er seinen Überzeugungen Taten folgen lassen. Vor seiner Verhaftung 2002 führte er Tanzim und die al-Aqsa Märtyrerbrigade, terroristische Organisationen, die für den Tod Dutzender israelischer Zivilisten beiderseits der Grünen Linie verantwortlich sind. Haaretz stellte 2012 knapp fest: ‚Es besteht kein Zweifel, dass er die Gewaltanwendung befürwortet und gefördert hat.’ Im Juli 2016 berichtete die Zeitung, Barghouti habe im Verlauf der zweiten Intifada erklärt: ‚Die Ära, in der nur wir die Opfer stellen, ist vorbei. Wir müssen uns rächen. Wir müssen Israelis töten. Ja. Wir haben Kugeln. Wie haben Gewehre, und wir werden sie gegen die Besatzer richten.’ Zudem habe er vorausgesagt, die zweite Intifada werde ‚die letzte Runde der Gewalt sein, weil die Palästinenser spüren, dass sie durch die Angriffe ihre Selbstachtung wiederhergestellt haben.’“ (Dexter Van Zile: „The Myth of the Palestinian Mandela“)

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