Was die Nordkorea-Krise mit dem Iran zu tun hat

Pjöngjang ist weit Teheran von entfernt. Die durch die raschen Fortschritte des nordkoreanischen Atom- und Raketenprogramms ausgelöste und durch die kriegerische Reaktion des amerikanischen Präsidenten intensivierte Krise scheint mit der Situation im Nahen Osten wenig zu tun zu haben. Es wäre jedoch ein Fehler, die gegenwärtigen Entwicklungen in und um die koreanische Halbinsel nicht in einen Zusammenhang zu stellen mit künftigen Bestrebungen, das iranische Atomprogramm einzudämmen. US-Präsident Donald Trump hat bereits darauf hingewiesen, das der Iran sich seines Erachtens nicht an den Geist des Atomabkommens hält, das einen der Vorzeige-Erfolge der Präsidentschaft seines Vorgängers Barack Obama darstellte. Trump hat zudem vor einigen Monaten erklärt, er hätte sich gerne geweigert, dem Iran die Einhaltung der Bestimmungen des Abkommens zu bescheinigen, und beabsichtige, dies bald nachzuholen. Wir wissen also, dass sich eine Krise zusammenbraut, die nicht nur zu einem Konflikt zwischen den USA und dem Iran, sondern vermutlich auch zu Spannungen zwischen den USA und den anderen am Abkommen beteiligten Mächten führen wird. Die Aussicht, sich gegen die Wünsche seiner Partner stellen zu müssen, könnte Trump vor diesem Schritt zurückschrecken lassen. (…)

Die Krise um Nordkorea hat aber dazu geführt, dass die konkrete Furcht vor einem Atomkrieg in Amerika wieder ins Bewusstsein gerückt ist. Zu keinem Zeitpunkt seit der Kubakrise haben sich US-amerikanische Medien so intensiv mit der Möglichkeit eines von einem Schurkenstaat ausgehenden Atomschlags gegen Amerika befasst. (…) Dies könnte dies Trump in seinem Bestreben helfen, das Abkommen mit dem Iran zu kündigen und stärkeren Druck auf Teheran auszuüben. Es mag sein, dass er das aus einem reflexartigen Bedürfnis heraus tut, Obamas Hinterlassenschaft auszulöschen. Doch ironischerweise durchlaufen die Menschen in den USA, zum Teil aufgrund der maßlosen Reaktion Trumps auf das Vorgehen von Kim Jong-un, gerade einen Schnellkurs darin, was geschieht, wenn ein feindliches Regime über die ultimative Destruktivkraft atomarer Waffen verfügt. Erstmals seit langem denken sie im Moment über die besonderen Herausforderungen nach, die von Staaten ausgehen, die sich möglicherweise nicht rational verhalten könnten und bei denen das Prinzip der Abschreckung daher nicht verfangen würde. Es wird wieder über die Gefahren nachgedacht, die von Staaten ausgehen, die im Besitz von Atomwaffen sind, die Terroristen in die Hände fallen könnten. Diese Sorgen beziehen sich auf Nordkorea, gelten aber ebenso für den Iran. Daher dürfte Trump sich nun auf breitere Unterstützung verlassen können, wenn es darum geht, das Atomabkommen aufzukündigen oder zumindest mehr Druck auf den Iran auszuüben.“ (David Rothkopf: „Why the North Korea crisis has serious implications for the Middle East“)

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