Warum viele Syrer im Westen eine Intervention befürworten

„Die Wahl Donald Trumps frustrierte viele dieser Befürworter [einer Intervention in Syrien]. Aktivisten waren über Trumps Erlaß, der Flüchtlingen aus Syrien die Einreise untersagte, entsetzt. Syrische Organisationen äußerten sich alarmiert über Bemerkungen der Administration, die Vereinigten Staaten würden die ‚politische Realität’, dass Assad an der Macht sei, akzeptieren müssen. Doch nun loben Syrer überall in der Diaspora Präsident Trumps Vergeltungsschlag gegen Assad und manche bitten ihn darum, mehr zu tun. Trump hat davon Kenntnis genommen und die dankbare Reaktion des syrischen Aktivisten Kassem Eid auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Wissenschaftliche Darstellungen diasporischer Gruppen sorgen sich seit langem über deren Einfluss auf die Außenpolitik. Kritiker wie Benedict Anderson und Samuel Huntington haben den unermesslichen Schaden beklagt, den diese ‚Langstreckennationalisten‘ anrichten, und exilierte Eliten als Kriegstreiber charakterisiert, die sich mit schlimmen Folgen in die Politik ihrer Heimatländer einmischen.

Ich habe kürzlich Forschungsergebnisse zum Ausmaß der Unterstützung einer militärischen Intervention des Westens durch Syrer in der Diaspora veröffentlicht. Sie beruhen unter anderem auf Interviews mit 76 in den Vereinigten Staaten und Großbritannien lebenden Syrern, die sich gegen das Regime und für humanitäre Hilfe engagieren. Dabei ergibt sich ein ganz anderes Bild. Syrische Aktivisten sind mitnichten die kriegslüsternen Interventionsbefürworter, als die sie in früheren Darstellungen erschienen. Ganz im Gegenteil. Sämtliche Interviewpartner hatten die Invasion des Irak 2003 abgelehnt. Viele hatten sich an Antikriegsprotesten beteiligt und haben den gewaltfreien zivilen Ungehorsam in Syrien unterstützt. Alle Befragten unterstützten die Revolution weil sie anfangs friedlich war. (…) Meine Untersuchung zeigt, dass Syrer in den Vereinigten Staaten und Großbritannien schließlich eine Flugverbotszone und gezielte Schläge befürworteten, weil sie keine andere Möglichkeit mehr sahen, die Gewalt  zu unterbinden. Sie haben beobachtet, wie die diplomatischen Bemühungen in Genf und bei der UN immer wieder scheiterten. Unterdessen wurden Zivilisten im Heimatland abgeschlachtet und litten massenhaft an den  Bombardierungen, an Hunger, Vergewaltigungen, Folter und den Hinrichtungen in Assads Gefängnissen. Nach Jahren der Enttäuschung und angesichts mehr als einer halben Million Toter, sind viele Syrer – so wie viele Republikaner und ehemalige Angehörige der Obama-Administration – zu dem Schluss gelangt, das eine militärische Intervention das einzige realistische Mittel darstellt, um den staatlich geförderten Massenmord und das Emigration weiterer Flüchtlinge zu unterbinden.“ (Dana M. Moss: „Why so many Syrians living abroad support U.S. intervention“)

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