Warum Obama die Veröffentlichung der Bin-Laden-Akten zurückhielt

Die vordringliche außenpolitische Botschaft der ersten Amtszeit Obamas besagte, der Krieg gegen den Terror sei von seinem Vorgänger [George W. Bush] auf drastische Weise in den Sand gesetzt worden, befinde sich nun aber in sicheren Händen und werde darum rasch erfolgreich zu Ende geführt. In seiner zweiten Amtszeit ging es vordringlich darum, ein Abkommen mit der Regierung des Iran abzuschließen. Barack Obama wollte gewissermaßen das, was al-Qaida schon hatte: eine beiden Seiten nutzbringende Partnerschaft mit Teheran. Hätte man die amerikanische Bevölkerung über die Zusammenarbeit Osama bin Ladens mit der Regierung des Iran informiert, hätte das Obamas diplomatische Bestrebungen womöglich auf verheerende Weise untergraben. Das gleiche gilt für die in den Dokumenten bin Ladens ausführlich dokumentierten fortdauernden Aktivitäten al-Qaidas, die im Widerspruch stehen zu Obamas stolzer Behauptung von 2012, al-Qaida sei in die Flucht geschlagen worden. Mit eifriger Unterstützung mancher Angehöriger des Sicherheitsapparats hielt Obama also die Dokumente bin Ladens für die Dauer seiner Amtszeit zurück.

Zu den 470.000 durch die CIA freigegebenen weiteren Dokumenten gehört ein neunzehnseitiger, von einem nicht identifizierten al-Qaida-Agenten verfasster Bericht über die Beziehungen al-Qaidas zum Iran. Der Verfasser stellt einige Spannungen zwischen al-Qaida und dem Iran dar, macht aber auch klar, dass diese Differenzen einer Zusammenarbeit nicht entgegenstünden. In dem Bericht heißt es, das iranische Regime biete seinen ‚saudischen Brüdern’ bei al-Qaida ‚alles, was sie brauchen’. Dazu gehörten Rückzugsorte im Iran, die Ermöglichung der Reisetätigkeit hochrangiger Angehöriger von al-Qaida, ‚Geld, Waffen’ und ‚Ausbildungsmöglichkeiten in Hisbollahlagern im Libanon im Gegenzug für Anschläge gegen die Interessen Amerikas in Saudi-Arabien und am Golf’. Zu den jetzt freigegebenen Dokumenten gehört auch ein Video von der Hochzeit von Hamza bin Laden, dem Sohn Osama bin Ladens, der heute ein prominenter Vertreter al-Qaidas ist. In dem Video sind Hamza bin Laden und mehrere andere hochrangige Angehörige al-Qaidas beim Feiern der Hochzeit in einer nicht identifizierten Mosche zu sehen. Im Hintergrund hört man den Ton einer Kinderstimme. Das wackelige Video zeigt den jüngeren bin Laden in einer goldenen Robe und schwarzweißen Keffiyeh, wie er in einem leisen und ernsten Tonfall das Ehegelübde ablegt. Das Video wurde im Iran aufgenommen.“ (Stephen f. Hayes: „The Big Reveal: The Story of How 470,000 Documents from Osama Bin Laden’s Compound Finally Got Into the Open“)

Mehr zum Thema auf Mena Watch: Von CIA freigegebene Akten belegen Kooperation von al-Qaida und Iran

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