Warum gibt es im Ramadan noch mehr Terror-Anschläge?

„Sechs Tage, drei Länder – mehr als hundert Tote und über 400 Verletzte. Im ganzen Nahen Osten und darüber hinaus kommt es pünktlich zu Beginn des Fastenmonats Ramadan zu blutigen Anschlägen (…) Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender. Weltweit fasten gläubige Muslime. Sie verzichten von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen und Trinken, rauchen nicht und verzichten auf Sex. Es ist eine Zeit der Einkehr. Aber: Der Ramadan ist seit den Anfängen des Islams auch ein Monat des Kampfes. Der muslimischen Überlieferung zufolge besiegte der Prophet Mohammed mit seinen Anhängern im Jahr 624 in der Schlacht von Badr während des Fastenmonats die Kuraisch, den mächtigsten Stamm seiner Heimatstadt Mekka.

Die Schlacht von Badr aber markierte eine Zäsur in der Frühgeschichte des Islams, den Wendepunkt im Ringen um die Vormachtstellung. Die militärisch überlegenen Kuraisch hatten mit hohen Opferzahlen und – was noch viel schwerer wog – einem beispiellosen Prestigeverlust zu kämpfen. Wenige Jahre später zog Mohammed mit seiner Armee dann siegreich in Mekka ein. Diese Geschichte hat in der arabischen Welt immer wieder als Vorbild und Rechtfertigung für kriegerische Angriffe herhalten müssen. So nannte etwa der ägyptische Präsident Anwar as-Sadat 1973 seinen Überraschungsangriff auf Israel im Jom-Kippur-Krieg – der auch als Ramadan-Krieg bekannt ist – ‚Operation Badr‘. Nun, im 21. Jahrhundert, berufen sich die modernen Dschihadisten auf diese Überlieferung, um mit ihrer asymmetrischen Kriegsführung militärisch überlegene Gegner nicht zwingend in die Enge, aber in jedem Fall zur Verzweiflung zu treiben. (…) Für die Menschen zwischen Kabul und Bagdad – aber auch im Rest der Welt – bedeutet das: Auch 2017 wird der Ramadan wohl wieder blutig.“ (Dominik Peters: „Wenn der Neumond aufgeht, beginnt das Morden“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login