Vorwurf des Pinkwashing ist Antisemitismus

„Der Antisemitismus beruht grundlegend auf dem Glauben, dass jeder guten Tat eines Juden schändliche Beweggründe zugrunde liegen. Unter Linksradikalen breitet sich zunehmends der Glaube aus, dass LGBT-Juden doppelt schuldig sind, weil sie Israel als eine fortschrittliche Gesellschaft präsentieren und währenddessen Verstöße gegen die Menschenrechte der Palästinenser vertuschen. Dieses vermeintliche Phänomen wird als Pinkwashing bezeichnet. Jüngst wurden drei jüdische Frauen vom Chicago Dyke March ausgeschlossen, weil sie jüdische Pride-Fahnen mit sich führten. In einer Erklärung der Organisatorinnen wird behauptet, dass ‚der Zionismus eine dem Wesen nach rassistische Ideologie ist’. Daher müsse bei dem Aufzug alles, was einer israelischen Fahne ähnle, verboten werden. Angesichts dieses krassen Ausdrucks der Ignoranz und Engstirnigkeit weiß man nicht recht, ob man lachen oder weinen soll. Diese Tendenz, Juden als Parias auszuschließen, hat in letzter Zeit zugenommen und zunehmend Beachtung gefunden, beispielsweise, als die Mitorganisatorin des Women’s March Linda Sarsour behauptete, Zionistinnen könnten keine Feministinnen sein. Wie kann man die Beschuldigung ernst nehmen, die israelische Toleranz LGBT-Menschen gegenüber sei eine List, um die Behandlung der Palästinenser durch Israel zu vertuschen. Wird Israel jemals für irgendetwas, das es tut, Anerkennung finden? Wie die meisten Israelis habe auch ich einiges an der israelischen Regierung auszusetzen. Konkrete Sachverhalte durch Verschwörungstheorien miteinander zu verschmelzen, stellt jedoch nichts anderes als guten alten Antisemitismus dar.

Dem Ganzen haftet eine gewisse Ironie an. Die Misshandlung und das Zensieren von LGBT-Juden ist umso beleidigender, als schwule Juden in der ersten Reihe für Gleichberechtigung gekämpft haben. Dieser Ausschluss von Juden kommt einer Ohrfeige für die Aktivisten gleich, die die heutigen Rechte von LGBT-Menschen mit erstritten haben, darunter Harvey Milk, Edie Windsor und Roberta Kaplan, um nur einige zu nennen. Kaplan und Windsor, die Anwältin und der Kläger, die vor dem Supreme Court den Defense of Marriage Act zu Fall brachten, unterstützen beide Israel. Die Leute kennen im Grunde ihre eigene Geschichte nicht, wenn sie die Identitäten zweier der einflussreichsten LGBT-Persönlichkeiten im Kampf für die Gleichberechtigung herabsetzen. Folgt man dieser Logik, müsste der Dyke March auch diese beiden ausschließen, obwohl sie sich als Helden im Kampf um die Gleichberechtigung von LGBT-Menschen bewährt haben. (…) Wie das Pinkwashing genau funktionieren soll, wird nie recht deutlich. Wenn das Schwenken von jüdischen Pride-Fahnen oder das Abhalten israelischer Pride-Umzüge Teil einer heimtückischen Propagandaverschwörung sind, geht diese offensichtlich nicht auf. Zudem gehört die Unterstellung, dass Juden gute Dinge nur aus egoistischen Gründen tun, zum Kernbestand des Antisemitismus. Werden die Israelkritiker dem Land auch dann nachsagen, aus einer Tragödie Gewinn schlagen zu wollen, wenn Israel das nächste Mal Tsunamiopfern hilft? Wann wird dieser Rattenschwanz an Verschwörungstheorien enden? Haben die Anti-Zionisten jemals in Betracht gezogen, dass ein Land zugleich große Verdienste wie auch Mängel vorzuweisen haben kann?“ (Peter Fox: „LGBT Jews Are the New Target of Anti-Zionism“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login