Vormarsch des IS: „Trotz“ und „ungeachtet“ der russischen Bombardements?

„IS-Miliz trotz russischer Angriffe auf Vormarsch“, lautet die Überschrift eines Artikels im heutigen Kurier, in dem zu lesen ist: „Ungeachtet der russischen Luftangriffe hat der IS am Freitag seinen größten Geländegewinn seit Monaten erzielt. Die Terrormiliz habe bei Aleppo mehrere Dörfer von rivalisierenden Aufständischen erobert.“ (Fast wortgleiche Meldungen fanden sich auch in anderen Medien, so etwa in der Presse.) Damit werden die Zusammenhänge schlicht auf den Kopf gestellt: Der IS ist nicht trotz, sondern wegen der russischen Bombardements auf dem Vormarsch. „Die Dschihadistengruppe profitiert von der Verwirrung auf Seiten der Rebellen, die in mehreren Provinzen von den Russen angegriffen werden“, sagt Rami Abdel Rahman von der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Bis zu 90 Prozent der russischen Luftangriffe richten sich nicht gegen den IS, sondern gegen andere Rebellengruppierungen. Die russische Armee tut also, was zuvor bereits die syrische getan hat: Erst werden Rebellenstellungen aus der Luft sturmreif geschossen, anschließend werden sie vom IS eingenommen. Noch immer hegen österreichische Medien die Illusion, die russische Intervention richte sich in erster Linie gegen den IS, und produzieren deshalb weiter Falschmeldungen – wie die vom IS-Vormarsch „trotz“ russischer Bombardements.


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