Von den Islamkritikern im Maghreb lernen

„Schirmbecks maghrebinische Freundinnen und Freunde wissen sehr genau, worum es geht und was auf dem Spiel steht. Es sind engagierte Persönlichkeiten, die sich voller Kraft und oft auch unter Inkaufnahme großer Risiken gegen eine weitere Islamisierung ihrer Gesellschaften stemmen. Sie alle wollen, dass die Versprechungen des ‚Siècle des Lumières‘ auch für die Länder am Südrand des Mittelmeers gelten, und sie können es nicht verstehen, dass sich viele europäische Intellektuelle in einen geistigen Schützengraben begeben, sobald es um den Islam geht. (…) Samuel Schirmbeck hat im Maghreb hautnah erlebt, was islamischer Extremismus bedeutet. Zwar sind die bleiernen Jahre in Algerien Geschichte, doch die Spirale der islamischen Radikalisierung hat sich auf beunruhigende Weise weitergedreht. Schirmbeck spricht treffend von einer ‚rasanten Rückwärtsentwicklung des Mehrheitsislams und der Tyrannei seiner Anhänger‘.

Auch in Europa diagnostiziert der Autor eine beunruhigende Fehlentwicklung. Sie betrifft sowohl den Umgang mit den großen islamischen Verbänden und deren Forderungen wie auch die öffentliche Debatte zum Thema Islam. Sein Urteil über den ‚finsteren Islam‘ der deutschen Islamverbände ist vernichtend. ‚Nicht in Nordafrika, in Deutschland begann (. . .) die bedrückendste Zeit meiner Begegnung mit dem Islam‘, hält Schirmbeck fest. Er berichtet von Verbandsvertretern und muslimischen Exponenten, denen ‚das Kopftuch wichtiger war als die Erhellung der Köpfe‘, die sich im Namen der Religionsfreiheit unablässig für Sonderrechte für Muslime einsetzten, aber zentrale Errungenschaften und Werte der westlichen Welt ablehnten. Laut Schirmbeck breitet sich auch im Westen eine ‚ebenso rigorose wie stupide Halal/Haram-Dogmatik aus, die keine Ambivalenz mehr kennt, kein geistiges Spiel, kein philosophisches Hinterfragen, sondern sich nur noch in stumpfer Kontrolle jeder Lebensgeste von Musliminnen und Muslimen gefällt‘. Es ist augenfällig, dass ein solcher Islam längerfristig das Konzept einer multikulturellen Gesellschaft unterminiert.“ (Beat Stauffer: „Von den maghrebinischen Aufklärern lernen“)

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