Verzicht auf die Wahrheit hat zu Trumps Erfolg beigetragen

„Seit 9/11 haben die Machthaber in den Demokratien darauf verzichtet, sich öffentlich zum Zusammenhang zwischen Islam, Islamismus und Terror zu äußern, obwohl ihnen dieser Zusammenhang bekannt war. Dafür hatten sie verschiedene Gründe. Sie wollten Muslime nicht vor den Kopf stoßen, sich der Unterstützung muslimischer Gruppen bei der Bekämpfung des Terrorismus versichern, Feindseligkeit gegen Muslime in den Demokratien nicht weiter anfachen und sich nicht der Beschuldigung der Islamophobie aussetzen. Man sah in diesem Vorgehen eine realistische Möglichkeit, den ‚Kampf der Kulturen’ zu vermeiden, den die islamistischen Terrorgruppen zu befördern suchen. Donald Trump gewann unter anderem, weil er diesen vermeintlichen Realismus als irrwitzige Form der Political Correctness denunzierte. Doch von Anfang an untergrub er seine Glaubwürdigkeit als Überbringer dieser Botschaft durch seine Unfähigkeit, je die Wahrheit über etwas zu sagen, seinen Hang zu Verschwörungstheorien und sein Buhlen um die antimuslimischen Elemente unter seinen treuesten Unterstützern. Wir müssen uns also an andere hochrangige Politiker, Schriftsteller und Intellektuelle halten, die den Mut gehabt haben, der Beschuldigung der Islamophobie zu trotzen und sich auf intelligente und nuancierte Weise zu Islam und Terrorismus zu äußern. (…)

Seit Jahren haben uns die Vertreter des vermeintlichen Realismus in den Demokratien erklärt, Zurückhaltung und Vermeidung in Bezug auf die Wahrheit über den Zusammenhang von Islamismus, Islam und Terrorismus seien unverzichtbar, um den ‚Krieg gegen den Terror’ zu gewinnen. Aus der Furcht geboren, man könne eine antimuslimische Gegenbewegung in den Demokratien produzieren, haben die Vermeidung und das Schweigen der politischen Mitte genau diese Gegenbewegung produziert. Der Verzicht darauf, das Offensichtliche beim Namen zu nennen, hat zu Zynismus und Misstrauen geführt und dadurch zum Misstrauen gegen die Eliten und zum Erfolg von Trumps populistischer Demagogie beigetragen.“ (Jeffrey Herf: „Realism, Islamism and Islam: When Will Difficult Conversations Begin?“)

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