Verzerrende Geschichte, neu aufgelegt

Sehr geehrte Frau Knaul, sehr geehrter Herr Vieregge,

in Ihrem Artikel über Juden äthiopischer Herkunft in Israel verweisen Sie auf Berichte, denen zufolge Mitarbeiter des Roten Davidsterns Blutkonserven äthiopischer Spender entsorgt hätten, „aus Angst, sie könnten mit Aids infiziert sein“. (Presse, 5. Mai 2015) Derartige Berichte, in denen dem israelischen Pendant zum Roten Kreuz Rassismus unterstellt wurde, machten vor ein paar Jahren tatsächlich die Runde. Was Sie aber vielleicht hätten dazusagen können, wenn Sie diese Geschichte jetzt wieder aufgreifen: Schon damals wurde recht schnell klar, dass die Unterstellung unbegründet war. Auch in Österreich werden Blutspenden von in Äthiopien geborenen Menschen nicht akzeptiert, mit Rassismus hat das freilich nichts zu tun. Auf den Informationsseiten des Roten Kreuzes ist über die Ausschlussgründe für Blutspenden zu lesen: „Personen, die an Malaria erkrankt waren oder sind oder in einem Malariagebiet geboren oder aufgewachsen sind bzw. sich länger als drei Jahre aufgehalten haben, unterliegen einem permanenten Ausschluss“. Die Hautfarbe der Spender spielt dabei keine Rolle; anders als so manchen Menschen ist sie den Malaria-Erregern völlig egal. Bezeichnend war allerdings, dass eine in etlichen Staaten völlig gängige und wohl begründete Praxis am Beispiel Israels plötzlich skandalisiert wurde.

Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Florian Markl
Medienbeobachtungsstelle Naher Osten (MENA)


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