Verbotene Tatoos und eine Texanerin im Nordirak

„Zwei Stunden von dem vom Islamischen Staat kontrollierten Gebiet im Norden des Irak entfernt, auf das irakische Streitkräfte immer weiter vorrücken, sitzt Shara Kenworthey, eine 28jährige Amerikanerin aus Texas in ihrem Wohnzimmer mit einer Nadel über einen Klienten gebeugt, den sie tätowiert. Seit fast zwei Jahren unterhält sie ihr eigenes Studio und Tätowierunternehmen, nachdem sie zunächst als Englischlehrerin hierher kam. Dass ihr künstlerisches Hobby sie ausgerechnet in einer als Kriegsschauplatz bekannten Gegend zu ihrer Traumkarriere hinführen würde, hätte sie nie gedacht. (…) Bislang hat sie in Erbil zwei Bombenangriffe erlebt. ‚Es war ganz schön beängstigend’, gibt sie mit Blick auf die erste Explosion zu. Da sei ihr erst richtig klar geworden, dass sie sich nicht in einem glitzernden Touristengebiet befand.

In einem mehrheitlich von Muslimen bewohnten Land sind die Bomben und der andauernde Konflikt mitnichten die einzige Gefahr für Tätowierer. Viele Muslime betrachten das Tätowieren als haram, also als untersagt. Unter Kenwortheys Klienten befinden sich viele Muslime. Obwohl die meisten Männer sind, sind auch einige Frauen auf Wunsch ihrer Männer oder heimlich zu ihr gekommen, weil ihre Familien das Tätowieren weiterhin nicht akzeptieren. (…) Einer ihrer Klienten, Omar, war bereit, mit Yahoo Beauty über sein Tattoo zu sprechen. Omar arbeitet für die Regierung und konnte darum seinen Nachnamen nicht preisgeben. Er erklärte, warum Tattoos für haram gehalten werden. ‚Muslime beten, und vor dem Gebet muss man sich waschen’ sagte er. ‚Und weil das Tattoo unter der Haut ist’, könne es nicht vom Körper abgewaschen werden.“ (Ash Gallagher: „The American Woman Inking ‚Forbidden’ Tattoos in Northern Iraq“)

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