Trotz Merkel-Kotau vor Erdogan: Türkei schikaniert deutsche Journalisten

friedman-kilic„Das wäre ja noch schöner! Da kommt ein Journalist der Deutschen Welle zum Interview mit einem türkischen Minister und glaubt, er könne fragen, was er wolle, und das werde dann auch noch gesendet. So läuft das nicht in Ankara, wenn man sich mit dem Minister für Jugend und Sport, Akif Cagatay Kilic unterhält. (…) ‚Was erlauben Friedman?‘, hat sich der Minister wohl gedacht. Sein Presseadlat verlangte zunächst, das Interview dürfe nicht ausgestrahlt werden, dann forderte er den türkischen Kameramann des Deutsche-Welle-Teams auf, ihm den Chip mit der Aufnahme zu geben. Er bekam ihn. Als Beschlagnahme will das der Minister freilich nicht verstanden wissen. Sein Ministerium habe nur eine ‚Verfügungsgewalt‘ angewendet. Wie solcherlei Verfügungsgewalt des Regimes Erdogans aussieht, wissen wir.

Potentiell Andersdenkende werden wahllos eingesperrt, gerne auch Journalisten. (…) Presse- und Meinungsfreiheit existieren in der Türkei nicht einmal mehr auf dem Papier, und niemand weiß, wie lange Erdogan diesen ‚Ausnahmezustand‘ aufrechterhält und ob er ihn nicht zum Normalzustand machen will. (…) Den deutschen Auslandsrundfunk zu brüskieren ist für [türkische Administration] eine der leichteren Übungen. Sie behält sich über das, was gesagt, geschrieben und gesendet werden darf, die ‚Verfügungsgewalt‘ vor. Nicht nur in der Türkei.“

(Michael Hanfeld: „Konfisziertes Interview. Verfügungsgewalt“)

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