Syrien: Wiederaufbau als Politikum

„Aleppo ist bis zur Unkenntlichkeit vom Krieg gezeichnet: Wochen nach dem Ende der Kämpfe bedeckt eine Staubschicht die östlichen Bezirke. Ganze Straßenzüge werden von Gebäude gesäumt, die zu Trümmern aus Metall und Backstein reduziert wurden. Die Szenen erinnern an die im Zweiten Weltkrieg verwüsteten Städte. Keine Stadt ist im sechsjährigen Syrienkrieg so schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Keiner vermag zu sagen, wie Aleppo, Syriens größte Stadt, kurzfristig wieder aufgebaut werden könnte, geschweige denn der Rest des entsetzlich verwüsteten Landes. Die Kosten für die Rekonstruktion Aleppos, einst Syriens Wirtschaftsmetropole, könnten sich auf zig Milliarden Dollar belaufen und würden damit die Leistungsfähigkeit des Landes übersteigen.

Westliche Nationen werden der Regierung von Präsident Bashar Assad kaum Mittel zur Verfügung stellen wollen, zumal die von den USA und mehreren europäischen und arabischen Staaten verhängten Sanktionen weiterhin in Kraft sind und Finanzhilfen ausschließen. Selbst Assads Verbündete, Russland und der Iran, finanzieren zwar sein Regime, zeigen aber wenig Neigung, die Kosten für den Wiederaufbau zu tragen. Zudem stellt sich die Frage, wie man über den Wiederaufbau beraten soll, während der Krieg noch tobt. Solange kein Deal geschlossen worden ist, würde der Wiederaufbau womöglich nur die durch den Krieg – entlang der konfessionellen Trennlinie – verursachten demographischen Veränderungen zementieren. Es wird befürchtet, dass Assads Regierung zwar [ehemals] aufständische Gebiete wie den Osten Aleppos für seine Unterstützer wieder aufbaut, aber wenig tun wird, um die Millionen Flüchtlinge zurück zu holen, von denen die meisten sich in Landesteilen befinden, die sich dem Aufstand angeschlossen haben.“ (Bassem Mroue/Sarah El Deeb: „In Syria’s ravaged Aleppo, few answers on how to rebuild“)

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