Starker Anstieg von psychischen Erkrankungen im Nahen Osten

„Die Zahl der Selbstmorde, Morde, Vergewaltigungen und psychischen Erkrankungen ist in mehreren mehrheitlich muslimischen Ländern von Marokko bis Pakistan, von denen viele von Gewalt und Krieg erschüttert worden sind, sprunghaft angestiegen. Eine breitangelegte Studie, die Datenbestände der letzten 25 Jahre auswertete, zeigt einen dramatischen Anstieg der Selbstmorde und Morde. (…) Die Zahlen liegen 100 Prozent bzw. 152 Prozent über den Vergleichszahlen von 1990. Die Studie wurde vom Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) an der University of Washington durchgeführt. ‚In anderen Regionen der Welt ist die Zahl der Selbstmorde im gleichen Zeitraum um 19 Prozent angestiegen’, hieß es in einem von 15 Berichten, die diese Woche im International Journal of Public Health veröffentlicht wurden. Die Forscher verzeichneten zudem einen ‚deutlichen Zuwachs’ an psychischen Erkrankungen wie Depression, Angststörungen, bipolaren Störungen und Schizophrenie. ‚Depression und Angststörungen sind die am häufigsten auftretenden psychischen Erkrankungen’, so die Studie. ‚Tief verankerte unlösbare Gewaltverhältnisse schaffen eine verlorene Generation von Kindern und jungen Erwachsenen’, erklärte Dr. Ali Mokdad, der Hauptautor der Studie und Direktor für Nahostinitiativen am IHME. ‚Die Zukunft des Nahen Ostens sieht finster aus, wenn es uns nicht gelingt, in der Region für Stabilität zu sorgen.’ (…)

Obwohl der Bedarf an Fachkräften für die Behandlung psychischer Erkrankungen, die den psychologischen Folgen der Konflikte und der Armut etwas entgegensetzen könnten, rasch zunimmt, gibt es in der Region nur wenige Psychiater und Psychologen. In vielen dieser Länder gibt es durchschnittlich nur 0,5 Psychiater für 100.000 Menschen. Die europäische Vergleichszahl liegt bei 40 Psychiatern für 100.000 Menschen. Die Studie verwertete Schätzungen der jährlich herausgegebenen Global Burden of Diseases, Injuries, and Risk Factors-Studie und bezieht sich auf die 600 Millionen Menschen des aus den 22 Ländern des ‚östlichen Mittelmeers’ – bestehend aus dem Maghreb, dem Horn von Afrika und dem Nahen Ostens (einschließlich der Golfstaaten) – sowie Afghanistan und Pakistan. Die Region wird in unterschiedlichem Maße seit Jahrzehnten von Konflikten erschüttert. Schätzungsweise 208.179 Menschen kamen 2015 durch Krieg, Selbstmord und Mord um. Davon waren 144.000 Kriegstote. Wegen der mit der Sammlung verlässlicher Auskünfte in Kriegszonen verbundenen Schwierigkeiten liegen derartige Schätzungen fast immer unter den tatsächlichen Zahlen.“ (Taimur Khan: „Muslim countries have highest rates of suicide, murder, rape and mental health problems“)

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