Spielt es für die Palästinenser eine Rolle, wer Nachfolger von Abbas wird?

„Abbas‘ Weigerung, einen Vizepräsidenten zu ernennen, einen möglichen Nachfolger zu wählen oder seine Macht mit jemandem zu teilen sowie sein Insistieren darauf, dass er die PA im Alleingang leitet, lässt grossen Raum für Spekulationen darüber, was passiert, wenn er nicht mehr da ist. Einige Palästinenser erwarten einen reibungslosen Machtwechsel, viele fürchten aber, dass ein ‚Kampf um die Nachfolge‘ zu Anarchie und Gewalt führen wird.

Der palästinensische Journalist Munir Abu Rizek schlug kürzlich Alarm, als er aufdeckte, dass einige hochrangige palästinensische Funktionäre und deren Anhänger im Westjordanland zur Vorbereitung auf die Zeit nach Abbas Waffen kauften. Er sprach die Prognose aus, dass die Anarchie, die im Westjordanland ausbrechen könnte, womöglich den Zuständen im Gazastreifen ähneln würde, die dort herrschten, bevor vor fast zehn Jahren die Hamas die Palästinenserbehörde von dort vertrieb. Abu Rizek schloss die Möglichkeit nicht aus, dass die palästinensischen Städte im Westjordanland zu Bezirken unter der Herrschaft von rivalisierenden Fatah-Funktionären und selbsternannten Kriegsherren werden könnten. Dennoch ist die Frage nicht, welcher palästinensische Funktionär Abbas‘ Nachfolge antritt, sondern eher, wer den nächsten Präsidenten wählen wird und auf welche Art und Weise. Und ganz nebenbei: Spielt es überhaupt eine Rolle, wer der nächste Präsident wird? …

Nach dem Tod Arafats lebte der ‚Arafatismus‘ weiter. Dasselbe gilt auch für Mahmud Abbas. Wenn überhaupt, sollte man nach seinem Weggang nicht mit echten Veränderungen bei der palästinensischen Einstellung gegenüber dem Konflikt mit Israel rechnen. Wieder einmal werden die Palästinenser die großen Verlierer sein. Niemand wird sie nach ihrer Meinung zum nächsten Präsidenten fragen und sie bekommen auch keine Gelegenheit, bei einer Präsidentschaftswahl ihre Stimme abzugeben. … Letzten Endes ist die Frage nach Abbas‘ Nachfolger also eher zweitrangig. Die Palästinenser werden weiter von Diktaturen beherrscht, denen ihr Volk absolut egal ist.“ (Der arabisch-israelischer Journalist Khaled Abu Toameh in einem Beitrag auf Audiatur Online: „Palästinenser: Der ‚Kampf um die Nachfolge‘“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login