Sitzungen am Tempelberg?

Sehr geehrte Standard-Redaktion, sehr geehrter Herr Frey,

alle Achtung: In den vergangenen Wochen wurden in österreichischen Medien allerhand unwahre und direkt der palästinensischen Propaganda entnommene Behauptungen über angebliche israelische Machenschaften betreffend den Tempelberg verbreitet. Aber keine war so absurd, wie die von Anat Hoffman im Interview mit Eric Frey: „Der Innenausschuss der Knesset hat 18 seiner 40 Sitzungen dort [am Tempelberg, Anm. MENA] abgehalten.“ Wirklich? Ausschusssitzungen am Tempelberg? Es ist unverständlich, wie Sie eine so bodenlose Unwahrheit einfach unhinterfragt abdrucken konnten.

Hafez in Hochform: Hetze gegen Juden, Muslime sind Opfer

Gratulation aber auch zum Gastkommentar von Farid Hafez, der nie um eine besondere Pointe verlegen ist. In der Vergangenheit erklärte er einmal den Gründer der islamistisch-totalitären Muslimbruderschaft, Hassan al-Banna, zu jemandem, der mit der Demokratie geliebäugelt habe. Ein anderes Mal führte er als Beleg für die besondere Toleranz des Propheten Mohammed an, dieser habe schließlich eine Jüdin geheiratet – ohne dass Hafez dazusagte, dass sämtliche Männer des Stammes der Frau zuvor von den muslimischen Gefolgsleuten Mohammeds massakriert und alle Frauen und Kinder zu Sklaven gemacht worden waren.

Und auch diesmal hält Hafez, was er verspricht. Die Tatsache, dass Susanne Winter wegen Hetze gegen Juden aus der FPÖ ausgeschlossen wurde, verwandelt er im Handumdrehen in einen Beweis dafür, dass Muslime die Opfer von heute seien. Und er bringt Sätze wie den Folgenden zu Papier: „Während die Rechten in Europa vor einer Verschwörung von ‚EU-Bonzen, Islamisten, Marxisten und Kapitalisten‘ warnen, haben israelische Politiker ebenso den islamistischen Terror als Feindbild, sei das nun in Form des Iran oder der palästinensischen Hamas.“

Muss man auf den Unterschied hinweisen, dass ersteres eben eine ebenso abstruse wie wahnhafte Verschwörungstheorie ist, während der vom iranischen Regime geförderte Terror und die blutigen Anschläge der Hamas auf Israelis leider traurige Realität sind? Ist es nicht intellektuell in höchstem Maße unredlich, diese Differenz einzuebnen, eine herbeifantasierte EU-Bonzen-Islamisten-Kapitalisten-Marxisten-Verschwörung und den höchst realen islamistischen Terror gleichermaßen als „Feindbilder“ auf eine Stufe zu stellen – und damit Letzteren zu de-realisieren und verharmlosen?

Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Florian Markl
Medienbeobachtungsstelle Naher Osten (MENA)


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