SCHIEFERGAS UND MACHO-ALLÜREN

Sehr geehrte ZiB 24-Redaktion,

in Ihrer gestrigen Sendung ist Ihnen Beachtliches gelungen: Mit der im Interview mit Lisa Gadenstätter vorgebrachten These, die Vereinigten Staaten würden vor allem deshalb eine „Drohkulisse“ gegen das syrische Regime aufbauen, weil das den Ölpreis in die Höhe treibe und sich dadurch in den USA „so manches Schiefergas-Projekt wieder rechnen“ würde, hat Nahostexpertin Karin Kneissl es doch tatsächlich geschafft, das stets wiederkehrende und auffällig faktenresistente „Argument“ aus der Mottenkiste zu holen, den Amerikanern gehe es bei all ihren Handlungen in Wahrheit immer nur ums Geschäft. Übertroffen wurde dieser reichlich entbehrliche Beitrag zur Debatte über einen etwaigen Militärschlag gegen Syrien allerdings noch durch ihre Unterstellung, hier würden „Macho-Allüren“ bedient indem man „einen Assad ins Eck zwängen“ und „zeigen (möchte), wie groß und mächtig doch der Westen wieder ist.“ Um solch fragwürdige Dinge zu verbreiten, half natürlich ungemein, dass in dem gesamten Studiogespräch der Anlass der momentanen Zuspitzung der Krise – die Ermordung von rund 1300 Menschen durch den Einsatz von Giftgas – überhaupt nicht zur Sprache kam. „Wir werden uns vielleicht die nächsten Tagen noch öfter sehen“, schloss Frau Gadenstätter das Gespräch. Das bleibt zu befürchten.

Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Florian Markl
Medienbeobachtungsstelle Naher Osten (MENA)


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