Saudi-Arabien sucht Annäherung an Schiiten im Irak

Muqtada al-Sadr in Saudi-Arabien

„Der von der heiligen Stadt Najaf aus ausgestrahlte Satellitenfernsehsender Alghadeer steigerte Anfang August mit einem Bericht, dem zufolge Saudi-Arabien den irakischen Ministerpräsidenten Haider Al-Abadi gebeten habe, zwischen dem Iran und Saudi-Arabien zu vermitteln, noch die Verwirrung um die Intentionen des Königreichs und der Vereinigten Arabischen Emirate. Alghadeer zufolge habe der irakische Innenminister Qasim al-Araji von einer positiven Reaktion des Iran berichtet. Die amtliche  Nachrichtenagentur Saudi Press dementierte den Bericht von Alghadeer und bekräftigte die entschlossene Position des Königreichs. Mit einem Iran, der den Terrorismus und Extremismus fördere, werde es keine Annäherung geben. Angesichts der nahenden Niederlage des Islamischen Staats suche Saudi-Arabien Kontakte zu irakischen und irakisch-schiitischen Kräften, um dem Einfluss des Iran etwas entgegenzusetzen und Al-Abadi dabei zu helfen, der sunnitischen Minderheit zu versichern, dass sie im neuen Irak ihren Platz haben werden.

Die Avancen der Saudis sollen offenbar auch diejenigen schiitischen Kräfte stärken, die den Einfluss des Iran eindämmen wollen. Sie sollen wohl auch die Tatsache ausnutzen, dass sich mehr und mehr schiitische Politiker und Kleriker im Irak vom Iran distanzieren und diese aus den für nächstes Jahr geplanten Wahlen gestärkt hervorgehen könnten. Zudem haben die Saudis einen gemeinsamen Wirtschaftsrat geschaffen und einen seit 27 Jahren geschossenen Grenzübergang wiedereröffnet. Alle diese Initiativen Saudi-Arabiens könnten sich für den Irak als Segen aber auch als Fluch erweisen. Sie könnten ihn zum Schauplatz einer Annäherung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran machen oder die Situation dadurch noch verschlimmern, dass die Rivalität zwischen den beiden Regionalmächten die irakische Innenpolitik nur noch stärker bestimmt. (…)

Saudi-Arabien hat den Irak zudem um Erlaubnis gebeten, in Najaf ein Konsulat zu eröffnen. Auch dies könnte sich als eine zweischneidige Initiative erweisen. Besuche des umstrittenen irakisch-schiitischen Gelehrten und Politikers Muqtada al-Sadr in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo er jeweils durch die Kronprinzen empfangen wurde, signalisieren nicht nur die Bereitschaft, Beziehungen mit irakischen Schiiten anzuknüpfen, sondern auch das Bestreben, die Politik der Schiiten zu beeinflussen. Saudi-Arabien würde sein Konsulat in Najaf zu einem Zeitpunkt eröffnen, da der prominenteste Bewohner der Stadt, Sayyed Ali Hosseini al-Sistani, ähnlich wie sein Gegenüber in der Islamischen Republik, das religiöse Oberhaupt des Iran Ayatollah Ali Khameini, immer greiser wird. Sistani hat sich für einen zivilrechtlichen irakischen Staat anstatt einer Theokratie ausgesprochen. Najaf und die heilige Stadt Qom im Iran sind die beiden wichtigsten Zentren schiitischer Gelehrsamkeit. Al-Sadr hat seit langem das harte Vorgehen Saudi-Arabiens gegen seine eigene schiitische Minderheit kritisiert. Andererseits hat er aber auch versucht, dem Anstieg des Sektierertums entgegenzuwirken und die vom Iran unterstützten Milizen, die Seite an Seite mit der irakischen Armee den Islamischen Staat bekämpfen, sowie Irans Unterstützung des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad kritisiert.“ (James M. Dorsey: „Reducing Middle East tensions? Saudi-UAE moves hint at willingness to engage with Iran“)

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