Saudi-Arabien: Impressionen aus einer Mädchenschule

„Mit zwölf Jahren wurde uns in einer islamischen Mädchenschule in Riad ein Pamphlet überreicht, in dem erklärt wurde, dass enge Turnanzüge weibliche Homosexualität verursachen und die Schule daher im Rahmen der ANTI-FITNA-Kampagne das Tragen sehr viel weiter geschnittener Sporthemden vorschreibe. Wir wurden gezwungen, ‚Dramen’ über die üblen Wirkungen von Musik aufzuführen. Die Hauptfigur war ein Mädchen in einem schlecht sitzenden Fettanzug, die darüber berichtet, wie sie endlich ihren Fehler erkannt habe, wie ihr klar geworden sei, dass sie ihr Fettsein als Vorwand genutzt habe, um beim Turnen satanische ‚Streichmusik’ zu hören. (Der Schule zufolge waren Saiteninstrumente wie Gitarren oder Violinen des Teufels und NUR Trommeln seien rein und halal. Zu Beginn seiner muslimischen Phase sang Cat Stevens/Yusuf Islam nur zu Trommeln.) Jedenfalls wandte die Hauptfigur sich den Trommeln zu und siehe da, sie wurde schlank, hallelujah! (Das ist kein Scherz, Angehörige des Lehrkörpers haben das tatsächlich geschrieben, damit wir es aufführen. Les Mis ist doch nichts dagegen, oder?)

Prediger wie Yusuf Estes kamen, um an unserer Schule Vorträge zu halten, wurden jedoch noch nicht einmal ins Gebäude gelassen! Sie brachten ihn zur Jungenschule und übertrugen den Vortrag im Rahmen der ANTI-FITNA-Kampagne per Lautsprecher in die Mädchenschule. Du möchtest Deine Haare schwarz färben? Du musst wohl insgeheim eine Sympathisantin der Zionisten sein! Du magst Anime? Zionistische Propaganda! Fußball gucken? Haram! Das Betrachten athletischer Männer führt zu Masturbation und Masturbation ist die Wurzel allen Übels. Du schreibst über eine fiktionale weibliche Figur, die mit Jungen spricht? Nun bist Du durch und durch böse und die Schule muss sofort eine INTERVENTION durchführen, um Dir die Unmenge an FITNA, die sich Deiner bemächtigt hat, die Du aber auch selbst hervorrufst, auszutreiben! Außerdem trägst Du zum sittlichen Verfall Saudi-Arabiens bei. Also viel Spaß mit dieser Last auf Deinem Gewissen.“ (Reem Abdel Razek: „This is why free speech is so precious“)

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