Rohani hat die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt

„Es ist jedes Mal das Gleiche: Kurz vor einer Wahl im Iran verstärkt der Zensurapparat die Kontrollen in den großen Städten, unterstützt von den gefürchteten paramilitärischen Basij-Milizen. Planquadrate, Straßensperren, Schwerpunktkontrollen in Einkaufszentren, Shopping-Boulevards und Autobahnen. Im Visier der Sittenwächter stehen gleich mehrere Vergehen: eine zu lockere Auslegung der Bekleidungsvorschriften bei Frauen, etwa, wenn sie zu viel Haut zeigen oder das Kopftuch nicht adäquat sitzt. Ebenso verboten sind Autofahrten von jungen Männern und Frauen, die unverheiratet sind. Ein Dorn im Auge sind den Wächtern auch zu westliche Outfits und Frisuren, Tattoos, Piercings, Homosexualität und unsittliche Berührungen. Obwohl Hassan Rohani, der am 19. Mai um seine Wiederwahl zittern muss, schon mehrfach eine Öffnung des Landes und eine Lockerung der Zensurregeln versprochen hat, konnte er in seiner Amtszeit nicht viel bewegen: Die Anzahl der Hinrichtungen stieg; die Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi stehen nach wie vor unter Hausarrest, und die von der Regierung versprochene Bürgerrechtscharta mit mehr Rechten für Frauen lässt auf sich warten. (…)

‚Es sind schlimme Bilder, es geht wieder los. An den Universitäten erschwert die Zensurbehörde den Studenten den Alltag‘, sagt Elham Godasi, Justudentin an der Universität in Teheran, am Telefon zur Wiener Zeitung‘. , »Warum hast du den jungen Mann angesehen? Warum sitzt dein Kopftuch nicht fest? Warum trägst du Lippenstift? Warum hat dein Mantel eine hurenhafte Länge?« Du kannst gar nicht so schnell schauen, da nehmen sie dich mit aufs Wachzimmer.‘ In den Großmetropolen Teheran, Mashad, Isfahan und Shiraz finden in dieser Woche auch viele Autokontrollen statt. Fahrzeuge, in denen unzureichend oder gar nicht verschleierte Frauen sitzen, sollen künftig konfisziert werden. Neben den Bekleidungsvorschriften wollen die Zensurbeamten (‚Mamurane Herasat‘) insgesamt gegen die ‚Verwestlichung und all ihre Tücken‘ vorgehen. Dazu zählen unsittliche Berührungen zwischen unverheirateten Paaren in der Öffentlichkeit und das, wie schon mehrere Hardliner beklagten, ‚sich wie ein Krebsgeschwür ausbreitende westliche Phänomen der Homosexualität‘.“ (Arian Faal: „Sittenwächter im Dauereinsatz“)

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